BECHER UND DIE GEGENWART

VIDEOS

URLAUB UND FREIZEIT

MENSCHEN

LESERBRIEFE

MEIST GELESENE ARTIKEL

NATUR UND UMWELT

WIRTSCHAFT UND ARBEIT

MODE UND LIFESTILE

SOCIAL-BOOKMARKING

Hinzufügen zu: Facebook Hinzufügen zu: Mr. Wong Hinzufügen zu: Webnews Hinzufügen zu: Windows Live Hinzufügen zu: Favoriten.de Hinzufügen zu: Linksilo Hinzufügen zu: Readster Hinzufügen zu: Linkarena Hinzufügen zu: Del.icoi.us Information

Serie „Becher und die Gegenwart“: „Weise Narrheit“ - Speyerer Universalgelehrter auch Ingenieur und Kanalbauer
Drucken
BERICHTE | JOHANN JOACHIM BECHER
Mittwoch, den 23. Oktober 2013 um 18:57 Uhr
Von Willi Philippe und Rolf Räch
Es ist schon mehrfach dargelegt worden, dass der Speyerer Universalgelehrte Johann Joachim Becher (1635 – 1682) Mediziner, Chemiker und Nationalökonom war und dass er sich als Politik- und Sprachwissenschaftler betätigt hat. Hinzugefügt werden muss aber unbedingt, dass er auch als Ingenieur sehr erfolgreich war und sogar Patente erworben hat. So beschäftigte er sich zum Beispiel in seinem 1682 erschienen Buch „Närrische Weisheit und weise Narrheit“ mit technischen Projekten und Ideen. Ferner finden sich in seinem „Rostocker Nachlass“ Ideen und Skizzen von Schiffen und deren Antriebe, von Laboröfen und Wärmeregelung, von Energiegewinnung, einem Strumpfwebstuhl und einer Seidenwickelmaschine.

Auch plante er Verbesserungen für Sägegatter, Wasser- und Schiffsmühlen. Für letztere erdachte und konstruierte er die Ausrüstung mit zwei Schaufelrädern, wodurch die Mühlen  vom Flussufer in die Mitte des Stromes (Themse) verlegt werden konnten, was mehr Aufnahme von Fließenergie ermöglichte. Das patentierte ihm der englische König im Jahre 1681 (Modell im Becher-Haus).
Auch hier erkennt man wieder Bechers Bestreben, Ideen durch Versuche zu stützen, zu konstruieren und zu realisieren. Nicht immer fand er dazu die notwendigen „Sponsoren“ (wie wir heute sagen würden).
Dies gelang wohl für die bahnbrechende Idee seines „Werkhauses“ (Forschung,Ausbildung, Konstruktion und Herstellung von Waren sowie deren Verkauf unter einem Dach), die er in seinen 1668 und 1682 erschienenen Büchern „ Der politische Discurs“ und „Närrische Weisheit und weise Narrheit“ beschrieben hat. Die Konstruktion und der Bau (ab 1676) dieser Anlage (Modell im Becher-Haus) auf dem Tabor bei Wien einschließlich Wasser- und Energieversorgung stellt sicherlich auch eine bewundernswerte Ingenieurleistung dar.
Für Becher muss es auch naheliegend gewesen sein, sich mit Verkehrswegen zu beschäftigen, wenn er bedachte, dass zu seiner Zeit eine Reise oder ein Transport von Wien nach Köln zum Beispiel noch genau so lange dauerte wie zur Römerzeit, sich daran in 1500 Jahren also nichts geändert hat.
Also begann er sich mit Reise- und Transportwegen in Deutschland, sogar in ganz Europa und in Asien zu beschäftigen. Auf die in jeder Hinsicht beste und bequemste Transportmöglichkeit seiner Zeit  besonders eingehend, schlägt er vor allem den Ausbau, die Verbesserung und die Ergänzung von Wasserwegen vor, greift dazu auch schon einmal Gedachtes auf oder beschreibt bestehende Projekte.
Er schildert die Notwendigkeit, Flüsse schiffbar zu machen, „Durchschnitt“ von einem Fluss zum anderen zu realisieren und Höhenunterschiede durch Schleusen (Modell im Becher-Haus) zu überwinden, was er auf seinen Hollandreisen kennen gelernt hatte.
Die Verwirklichung seiner Vorschläge scheiterte dann doch oft an Eifersüchteleien von Landesfürsten und nicht zu bekommenden finanziellen Mitteln.
Eine Reihe der von Becher besprochenen Projekte wurde dann doch im Laufe der Jahrhunderte – teils genauso , wie von ihm in „Närrische Weisheit und weise Narrheit“ beschrieben, teils in verbesserter, den wachsenden Erfordernissen der Zeit angepasster Form – realisiert, so zum Beispiel der Rhein-Marne-Kanal, der Spree-Kanal mit Elbe-Havel-Kanal oder auch der Bromberger-Kanal (Netz-Weichsel).
Sein bedeutendster Gedanke war eine durchgehende Wasserverbindung von der Nordsee  bis zum Schwarzen Meer über Rhein, Main und Donau. Dazu fehlte vor allem die Verbindung Main-Donau, die Becher beschäftigte.
Er stellte sich vor, einen Weg zu schaffen von Kehlheim an der Donau über die auszubauende Altmühl, über einen „Durchschnitt“ in die ebenfalls auszubauende Regnitz nach Bamberg am Main. Dabei griff er ein Projekt auf, an dem sich schon einmal Karl der Große versucht hatte.  Auf der Suche nach Geldgebern gelang es Becher den  Kurfürsten Johann Philipp von Mainz und  den Grafen Wolfgang Julius von Hohenlohe von dem Plan zu überzeugen, erneut die Verbindung der vorgenannten Flusssysteme zu versuchen.
Konkrete Untersuchungen, die Tauber von Wertheim bis Weikersheim durch den Bau von Schleusen schiffbar zu  machen, wurden von Fachleuten aus Holland durchgeführt. Weiterhin  wurde die Trasse der Verbindung der Tauber mit der Wörnitz festgelegt, um dann auf ihr die Donau bei Donauwörth zu erreichen.
Doch die Durchführung scheiterte an widerstrebenden Interessen der benachbarten Länder. “Denn der Tauberwein würde dem Frankenwein schaden als wie dieser dem Rheinwein“ bemerkt Becher im Hinblick auf das Scheitern in seinem schon mehrfach erwähnten Buch „Närrische Weisheit und weise Narrheit“.
Obwohl die Verwirklichung auch hier wieder an dem fehlenden Geld scheitertete, ließ Becher sich nicht entmutigen. In seiner Zeit am Wiener Kaiserhof griff Becher seine Pläne über diese Verbindung der Nordsee mit dem Schwarzen Meer durch einen Rhein-Main-Donau-Wasserweg in seiner 1674 verfassten „Denkschrift über die wirtschaftliche Lage der österreichischen Länder“ erneut auf. Unter anderem erörterte  er darin die möglichen Verkehrswege für den österreichischen Außenhandel einschließlich eines zu bauenden Rhein-Donau-Kanals. Jedoch auch dieser Anlauf misslang.
Vielleicht war ja auch die Zeit noch nicht reif für seine Ideen oder mit leicht abgewandelten Worten eines auch bekannten Mannes könnte man sagen „ Auch wer zu früh kommt, den bestraft das Leben“.
Denn Bechers Lieblingsprojekt, von der Nordsee das Schwarze Meer mit größeren Schiffen zu erreichen, wurde bekanntlich 1992 durch die Eröffnung des „Main-Donau-Kanals“ dann end-lich doch Wirklichkeit.

Informationen zu den Autoren:

Dipl. Ing. Willi Philippe
Dipl. Ing. Rolf Räch
Mitglieder des Beirates der JJ Becher-Gesellschaft