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Hängebauchschweine gegen Saatkartoffeln: rheinland-pfälzische Tschernobyl-Vereine geben Hilfe zur Selbsthilfe - Jahrestreffen in Böhl-Iggelheim
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VORDERPFALZ | Böhl-Iggelheim
Sonntag, den 29. Januar 2012 um 11:52 Uhr
"Tausche Hängebauchschweine gegen Saatkartoffeln." Dieser Vorschlag einer Teilnehmerin am Jahrestreffen der rheinland-pfälzischen Tschernobyl Initiativen am Samstag in Böhl-Iggelheim an den Gastgebenden Verein "Kinder von Shitkowitschi - Leben nach Tschernobyl", wirft ein bezeichnenden Licht auf die aktuelle Lage in Weißrussland. Auch mehr als 25 Jahre nach der Explosion der Atomreaktors in Tschernobyl und der Freisetzung großer Mengen Radioaktivität vor allem im Süden des Landes Belarus, wie es sich nennt, ist die Situation dort immer noch katastrophal, die Auswirkungen auf die Menschen verheerend.

Auch das kleine Land in der geographischen Mitte Europas, das sowieso zu den ärmsten unseres Kontinents zählt, ist von der Finanz- und Wirtschaftskrise schwer betroffen, hat eine Inflation von etwa 100 Prozent pro Jahr. Bei gleichbleibenden Löhnen bedeutet das eine Halbierung der Einkommen, so dass Eigenversorgung wieder eine wichtige Rolle spielt, wie das zu Beginn der Tschernobylhilfe vor mehr als 20 Jahren war. Hier noch die Auflösung, warum dieser eingangs erwähnte Tauschvorschlag gemacht wurde. Einige Hilfsvereine haben sich der Hilfe zur Selbsthilfe verschrieben. Die Böhl-Iggelheimer starteten bereits vor mehr als einem Jahrzehnt ein landwirtschaftliches Projekt, um die Menschen mit gesunden Steckkartoffeln zu versorgen während ein anderer Verein die Zucht von leicht zu haltenden Hängebauchschweinen angeleiert hat - neben der Kindererholung zwei Beispiele für nachhaltige Hilfe aus Rheinland-Pfalz.
Vor allem die Gesundheit der Menschen in den verstrahlten Gebieten  hat sich immer weiter verschlechtert. So ist der Schilddrüsenkrebs, der bei uns sehr selten auftritt, in Weißrussland fast eine Volkskrankheit.
In ihrem unter die Haut gehenden Vortrag veranschaulichte die Speyerer Ärztin Dr. Waltraud Jobst, durch ihr jahrzehntelanges Engagement in Weißrussland Expertin für die Auswirkungen hoher Radioaktivität auf die Menschen, die humanitäre Katastrophe nach der Reaktorhavarie: Krebs- und sonstige Erkrankungen vor allem bei Kindern, Unfruchtbarkeit und Missbildungen in ungewöhnlich hohem Maß. Experten wie Jobst erwarten auch in Japan bei den von der Reaktorkatastrophe in Fukushima betroffenen Menschen ähnliche gesundheitliche Folgen.
Im Unterschied zu Japan gibt es Weißrussland Probleme mit der medizinischen Versorgung, vor allem bei Medikamenten und Geräten, wie die Konsulin von Belarus in Frankfurt, Angela Wolodina, auf Nachfrage eingestand. Wolodina, mit zwei weiteren Konsulatsangestellten an Böhl-Iggelheim angereist, dankte für die humanitäre Hilfe aus Deutschland, die einen hohen Stellenwert in ihrem Land habe. Das Bundesland Rheinland-Pfalz sei einer der wichtigsten Partner, so Wolodina. Es gehe auch darum, die Wirtschaft in den verstrahlten Gebieten wieder in Gang zu bekommen. Sie selbst kenne Deutschland schon seit zehn Jahren, als sie Betreuerin bei der Kindererholung in Niedersachsen gewesen sei.
Paul Neumann, Mitglied des Sprecherrates, verlas eine Grußbotschaft des Leiters der humanitären Hilfe in Belarus, Alexander Colliada, in der er ebenfalls die Bedeutung der humanitären Hilfe aus Deutschland unterstrich.
Gottfried Wirtz vom rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium überbrachte die Grüße der verhinderten Ministerin Eveline Lemke. Er verlas die von Lemke vorbereitete Rede, in der sie auch die anderen europäischen Nationen aufforderte, auf Atomkraftwerke zu verzichten: "Nach Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima hat es genug Atomkatastrophen gegeben", so Lemke. Der Umstieg von Atomstrom auf erneuerbare Energien verhindere nicht nur solche Katastrophen sondern schaffe auch viele Arbeitsplätze, vor allem in den mittelständischen Betrieben, die Deutschland prägten.
Landrat Clemens Körner versprach auch weiterhin seine Unterstützung der Tschernobyl-Hilfsvereine. Er ging auch auf den energetischen Umbau ein. Im Ludwigshafener Kreishaus werde es zukünftig eine eigene Umweltingenieurin für erneuerbare Energien geben. Auch das Gebäudemanagement des Kreises werde in einer eigenen Abteilung zusammengefasst, um Energieeffizienz besser handhaben zu können. Es werde auch die Gründung einer Energiegenossenschaft geprüft, denn die Stromnetze müssten ausgebaut und modernisiert werden, damit der energetische Umbau realisiert werden könne.
"Es ist wichtig, dass wir Tschernobyl nicht aus dem Gedächtnis verlieren", betonte Böhl-Iggelheims Bürgermeister Peter Christ in seinem Grußwort. Er stellte die Aktivitäten der Gemeinde zu den erneuerbaren Energien vor. (ks/Foto: ks)
 

 

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