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Richtungsweisende Wahl: 'Weiter so' oder 'frischer Wind' für die Stadt - unterschiedliche Kandidaten
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SPEYER | OB-Wahl 2010
Mittwoch, den 09. Juni 2010 um 16:15 Uhr

Von Klaus Stein
Am kommenden Sonntag können die Speyerer darüber entscheiden, wer für die nächsten acht Jahre die Geschicke der Stadt als Oberbürgermeister lenken soll. Dabei wird es auch darum gehen, ob nach 16 Jahre CDU-Dominanz der  kommunalpolitisch unerfahrene Kandidat der Speyerer Union, Hansjörg Eger, Schinellers Nachfolger wird oder der sehr erfahrene Dr. Markus Winterle sich in die Reihe seiner großen sozialdemokratischen Vorgänger Paulus Skop oder Christian Roßkopf einreiht.

Die beiden anderen Kandidaten Johannes Jaberg (Grüne) und Roland Kern machten zwar einen respektablen Wahlkampf, werden aller Voraussicht nach bei der Wahlentscheidung nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Nach einen Vierteljahr Wahlkampf (bei Eger sind es einige Monate mehr) zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Vertretern der großen Parteien ab. Dabei ist deutlich ein Stimmungsumschwung festzustellen, der sowohl in den speyer-aktuell-Umfragen als auch in den Umfragen einer anderen Zeitung deutlich wurde: Die Zustimmung für Wintterle steigt, die für Eger fällt. Das dürfte auch mit der Art des Wahlkampfs zusammenhängen, in dem Wintterle bei Sachthemen wie Stadtentwicklung, Schulpolitik, und Verschuldung mit neuen, frischen Ideen wohl die Bürger überzeugt, während Eger außer der Tatsache, dass er der einzige Bewerber mit Bart ist, auf ein "Weiter so" wie bisher setzt.
Auch die Art, wie Eger und Wintterle auftreten, ist ein Kontrastprogramm. Während der CDU-Kandidat eher schüchtern wirkt, in den beiden Podiumsdiskussionen bei Sachfragen der unsicherste aller vier Kandidaten war, geht der SPD-Mann offen auf die Menschen zu, agiert souverän und überzeugend bei seinen öffentlichen Auftritten.
Wenn sich auch die Biographien von Wintterle und Eger zu ähneln scheinen - beide sind Rechtsanwälte - so gibt es bei näherem Hinsehen gravierende Unterschiede. Während Eger aus gut bürgerlichem Hause stammt, sich vor allem in elitäreren Organisationen wie amerikanischen "Service-Clubs" oder der "Becher-Gesellschaft" engagiert, alles Vereine, bei denen der Normalbürger nicht einfach Mitglied werden kann, hat sich Wintterle seinen Aufstieg aus einfachen Verhältnissen erkämpfen müssen, schwer dafür gearbeitet und es geschafft, ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren.
Eine entscheidende Frage ist für viele Wähler auch, wie Glaubwürdig sind die Kandidaten. Dr. Markus Wintterle hat in den sechs Jahren als Fraktionsvorsitzender im Stadtrat gezeigt, dass er gradlinig ist und seine Überzeugungen nicht über Bord kippt, selbst wenn er damit im Gegensatz zur SPD-Landesregierung steht wie in der Frage des Flugplatzausbaus.
Eger hingegen hat das Fähnlein gewechselt, nicht wegen eines politischen Konflikts, was noch nachvollziehbar gewesen wäre, sondern deshalb, weil er in der SPD seine Karrierevorstellungen nicht realisieren konnte. Ist es Glaubwürdig, als CDU-Kandidat erst nach einer eventuellen Wahl zum Oberbürgermeister auch in diese Partei einzutreten, wie mehrfach geäußert?
Wie man sieht, haben die Speyerer tatsächlich eine Wahl zwischen zwei Kandidaten, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. (ks)