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Höhen und Tiefen: Kerle unter sich - Stimmung bei SKG-Herrensitzung entspannt und ausgelassen (MIT FOTOSERIE)
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FASNACHT | FASNACHT 2014/15
Montag, den 26. Januar 2015 um 17:57 Uhr
Ein Mal im Jahr können Männer in Speyer so richtig den Macho raushängen lassen - bei den Herrensitzungen der Speyerer Karneval Gesellschaft (SKG). Am Freitag und Samstag ließen es die Herren, selbsternannte Kronen der Schöpfung, im traditionellen Sitzungsraum des historischen Museums Speyer wieder vier Stunden lang so richtig krachen. Ohne die Angetraute oder Verbandelte, die ansonsten missbilligend die Nase rümpft, wenn es zu laut, zu alkoholselig oder zu zotig ist, war die Stimmung entspannt ausgelassen - man war halt unter sich.

ZUR FOTOSERIE

Er ist halt eine Klasse für sich, SKG-Sitzungspräsident Michael "Mig" Grohmann. Auch seine heißere Stimme konnte die Qualität seiner Sitzungseröffnung nicht beeinträchtigen und so rief er dem maskulinen Auditorium das Motto des Abends zu: "Hört ihr Herren und lasst euch sagen, Trübsinn geht's heut an den Kragen."
So war der Boden sprich die Stimmung bereitet für Grohmanns Vize Horst Kapp als Till. Der sprach von strahlenden Fußballweltmeistern und anschließend müden Helden, ließ sich über Nordkoreas Datenattacke aus und ließ keinen guten Faden an der Landesregierung. Grenzwertig wurde sein Vortrag allerdings, als er - PEGIDA lässt grüßen - mit rechtspopulistischen Sprüchen von guten und schlechten Zuwanderern zu punkten versuchte, sofortige Abschiebung von straffällig gewordenen Asylanten was Wort redete und beteuerte, er sei ja nicht rechts sondern ein ganz normaler Bürger. Da spielte ein Biedermann unter dem Deckmäntelchen der Fasnacht den Brandstifter, so dass selbst dem meist konservativen Publikum das Lachen im Halse stecken blieb, der Beifall spärlich ausfiel.
Von seinen Erfahrungen in einem Gourmet Restaurant  berichtet ein "Halbverhungerter", Gerhard Dudenhöfer. "Do reg isch mich immer uff, große Deller unn nix druff", klagte er und fügte hinzu, "wer dort isst, der werd net fett."
Nur peinlich war Karl-Heinz Göttel alias "Kalle Knorzich" a- "Volltrottel". Sprüche wie "Frauen, die die Wimpern pinseln, sind solche, die beim Pimpern winseln", waren noch von der harmlosen Sorte. Der große Rest war einfach nur widerlich und zutiefst Frauenverachtend, überschritt bei weitem das auch bei Herrensitzungen tolerierbare Maß.
"Wer dro isch der isch dro" nahm die SKG-Traditionsfigur Leierkastenmann das Stadtgeschehen humoristisch aufs Korn. Zum ersten mal drehte Karl-Heinz Lindenschmitt die Kurbel am Leierkasten. Schade nur, dass es am Freitag einige technische Problebe gab, so dass er die ersten Minuten kaum zu verstehen war. Der Neue machte seine Sache aber gut, so dass er sich eine Rakete redlich verdient hatte.
"Große Nummern werfen ihre Stühle voraus", scherzte Sitzungspräsident Grohmann. Es war etwas Mühsam, das sperrige Requisit für "De Härtschde alias Oliver Betzer auf die Minibühne zu bugsieren. Als aufgeweckter Knabe plauderte er frisch von der Leber aus dem "Familiennähkästchen", beispielsweise dass die Oma dem Opa ä Geburtstagsgschenk mit guter unn schlechter Nochricht schenkt: es kummen drei Stripperinne - alle im Opa seim Alder." Und er weiß acu, dass Silikon das wertvollste Material ist, denn seit seine Schwester zwei Hände davon hat, stehe jeden Morgen ein anderer Sportwagen vorm Haus.
Nach der Pause ging Hans-Günter Glaser in die Bütt. Mit Abstand war er der Höhepunkt der Veranstaltung. Sein Vortrag über "leere Versprechungen", die nicht nur die Organisatoren von Kaffeefahrten machten sondern auch die Politiker, riss das Publikum von den Sitzen: "Bei Kaffeefarte ischs wie bei de Wahle, wann alles glabscht, muscht nochher zahle, denn die Bolidik in ihrer Art, isch nix als wie ä Kaffeefahrt", so seine Erkenntnis. Auch auf den Terroranschlag auf Kollegen von „Charlie Hebdo“ in Paris ging der bekannte Speyerer Karikaturist ein und stellte klar, dass er sich davon nicht einschüchtern lässt.
Mit seiner Interpretation des Schlager von der "Krummen Lanke" auf Pfälzische brachte Sitzungspräsident Grohmann die Stimmung auf den Sidepunkt.
Noch viel Luft nach oben ist bei "Amtsbote" Michael Schnaible. Das war alles zu langatmig und ohne Pointen. Zur Entschuldigung kann aber angeführt werden, dass Michael Schnaible praktisch von der Reha nach einem Herzinfarkt direkt in Bütt beziehungsweise unter die Herrensitzungs-Käseglocke gestiegen war.
Man kennt sie ja fast alle, die Kalauer von "De Molli" alias Oliver Sauer. Der Westpfälzer trägt sie aber auf seine ganz eigene, höchst professionelle und unterhaltsame Art vor, so dass er sich seit vielen Jahren in der Spitzengrüppe der Pfälzer Büttenredner hält. Und welcher Pfälzer kann nicht herzlich lachen über die Saarländer-Witze von Molli, seinem "Markenzeichen".
Mit Stimmungsliedern des "Anton aus Tirol" klang die Herrensitzung gegen Mitternacht aus. (ks/Fotos: ks)