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Jürgen von der Lippe: 30 Jahre in zwei Stunden
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KULTUR | Kultur Regional
Mi., den 19. Mai 2010 um 15:52 Uhr

Von Harald Stein
Man nehme 30 Jahre Bühnenerfahrung aus 11 Bühnenshows, reduziert das Ganze auf zwei Stunden, wiederholt das Programm X-Mal im Fernsehen, zieht durch sämtliche Städte Deutschlands und landet auch in Limburgerhof. Mit seinem Programm „Das Beste aus 30 Jahren“ hat Jürgen von der Lippe das Publikum in der Kleinen Komödie schnell in der Hand.

Der Entertainer schmettert freudig Texte wie „Dick ist schick“ von der Bühne. Mit liebevollem Spott macht er sich über Männer- und Frauenbilder lustig und polarisierte damit die Zuschauer, um es im nächsten Moment schon wieder mit schrulligen Alltagsbeobachtungen zum Lachen zu bringen. So packe er nach dem Obst- oder Gemüsewiegen im Supermarkt immer noch etwas drauf. „Da steht schließlich nirgendwo ein Schild, wann ich wiegen soll“, rechtfertigt er das. „Außerdem spart das Zeit.“ Denn andererseits könne er den Geschäftsführer kommen lassen und um den Preis feilschen. „Da räume ich mir lieber ab und zu einen kleinen, individuellen Spontanrabatt ein.“
Allein steht das lachende Hawaii-Hemd nicht auf der Bühne. Mit in seiner Runde ist sein  langjähriger Weggefährte Mario Hené, der von seiner Seite nicht mehr weg zu denken ist. Diesmal legt Herr Hené, der eigentlich auf der Bühne den Unauffälligen spielt, sich richtig ins Zeug und zaubert aus seiner Gitarre Saxophon-und Trompetensoli. Wie gewohnt ist er aber auch wieder gut in das Programm der aktuellen Show fest eingebaut und mit seiner Art erheitert er den Zuhörer nicht zu wenig. Hin und wieder kommt es zu Dialogen zwischen von der Lippe und den beiden, etwa zum Thema Gewicht. „Ich habe das gleiche Gewicht wie Clint Eastwood zu seinen besten Zeiten“, behauptet der Komiker. „Mit Pferd?“, will Hené daraufhin wissen. Neu auf der Bühne zu sehen ist Iris Wehner an der japanischen Wunderorgel, welche es in ganz Europa nur sechs Mal zu hören gibt. Selbstkritisch, oft über sich selbst lachend, nimmt Lippe kein Blatt vor den Mund und zieht gerne Kollegen wie Mario Barth durch den Kakao. Auch die Protagonisten aus der Showbranche kommen bei ihm nicht ungeschoren davon. Lieblingsobjekt seines Spotts ist Peter Maffay. "Ich war 16 und eins-einunddreißig", persifliert er ein bekanntes Lied des Sängers und lässt ihn später noch einmal als "Rockgigant" gemeinsam mit Parodien auf Wolfgang Niedecken, Herbert Grönemeyer und Udo Lindenberg zur großen Begeisterung des Publikums auf der Bühne erscheinen. Aber das, was Jürgen von der Lippe eigentlich ausmacht, ist der Humor, gerne unter der Gürtellinie, gepaart mit gitarrenverspielten Songs und viel Klamauk. Mit seinem nahezu unerschöpflichen Potenzial verbaler Deftigkeiten und unerwarteter stilistischer Brüche beweist er ein ums andere Mal, wie sich feinsinniger Humor und vergnügliche Albernheiten miteinander vertragen. Seine Lieder tragen den größeren Teil des Programms bei. Auch mit deren Auswahl wurde Rücksicht auf alle 30 Jahre genommen. Stücke wie „Guten Morgen, liebe Sorgen“, „Der Blumenmann“, „Dann ist der Wurm drin“ oder „Nää war dat ne schöne Feier“ zählen zu den älteren Tagen und fast jeder kennt die Texte. Ob es „Roll er nach links ist alles in Ordnung“ oder „Ich habe alles, was ich brauch, und nen´ Bauch“, es wird lautstark mitgesungen. Der Comedian lässt zahlreiche Figuren auf der Bühne erscheinen. Neben Kalle und dem Pastor sind auch zahlreiche imaginäre Personen zu Besuch.
Es ist schon enorm, das man mit alten, angestaubten Sketche und Liedern, wie der selbsternannte „König von Mallorca“, dessen Bett auch schon seit 34 Jahren erfolgreich im Kornfeld steht, das Publikum in der Kleinen Komödie begeistern kann.
Fotos: Harald Stein