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Jochen Busse & Henning Venske – „Inventur“ auf hohem Niveau
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KULTUR | Kultur Regional
Dienstag, den 27. April 2010 um 06:46 Uhr

Von Harald Stein
Wenn Jochen Busse und Henning Venske in der „Kleinen Komödie“ Limburgerhof sich gegenseitig auf die Füße treten, dann ist Kabarett auf höchstem Niveau angesagt. Naja, jedenfalls so ähnlich kann man sich das vorstellen, wenn es auf der Bühne heißt „Inventur“.

„Muss man sich hier eine Nummer ziehen?“, fragt Busse nicht unbegründet das Publikum. Denn das aktuelle Programm spielt im Wartezimmer eines Arztes. „Damit das klar ist, ich bin Privatpatient und darum direkt dran“, betritt Henning Venske die Bühne. „Sie glauben gar nicht, wie interessant das ist, überall da, wo man Nummern ziehen kann“, so Busse zu Venske, dem er zufällig im Wartezimmer begegnet. Deshalb gehe er auch überall dort hin. Letztens sei er sogar ohne Tier im Wartezimmer eines Tierarztes gelandet. Busse: „Das war spannend - für die anderen“. Henning Venske fragt sich und sein Gegenüber: „Wenn das hier das Wartezimmers eines Arztes ist, dann brauchen Sie auch eine Krankheit, damit Sie überhaupt dran kommen“. „Da fällt mir bestimmt etwas ein“, antwortet Busse, der dann einen Bogen zur aktuellen Politik spannte und die neuen Regierungsmitglieder einzeln untersuchte. Dabei bleibt nichts von aktueller Bedeutung unerwähnt. Die schwarz-gelbe Koalition, unverschämte Banker, Demokratieverdrossenheit, die Taliban und Al-Qaida, Organspenden, Subventionen, Super-Handys und einiges mehr. Das politische Parkett mit all seinen Fettnäpfchen ist definitiv nicht zu glatt für die beiden Gentlemen-Satiriker. Über fünf Jahre standen sie von 1985 an gemeinsam auf der Bühne der Lach- und Schießgesellschaft. Sechs Erfolgsprogramme entstanden in dieser Zeit. Von „Jugend Raus“ (1985) bis „Altes oder Nichts“ (1990) hauten sie sich bei der Münchner Lach- und Schießgesellschaft die Pointen um die Ohren, erschreckten ein gutwilliges Publikum mit überraschenden Ansichten und liefen zur Hochform auf, wenn sie eine Chance sahen, aus dem Text auszubrechen und hemmungslos zu improvisieren. Mehr als zwei Jahrzehnte später haben sie sich wieder gefunden, der elegante, immer leicht angewidert wirkende Busse und der mürrische Misanthrop Venske. Ein Gegensatzpaar, das man als die intellektuelle Wiedergeburt von Laurel & Hardy feiern könnte, zumindest was die Komik betrifft. Warum sie sich das antun? Aus einem einzigen Grund: Weil sie Lust dazu haben. Und das zelebrieren sie sprachlich fein abgestimmt, im Anzug. Gemein, aber nicht unhöflich. Die zwei sind nicht bloß graue Wölfe im Schafspelz, sondern offene Anarchisten, Bombenleger im Geiste, die zu Respektlosigkeit und Verrücktheiten aufrufen. In ihrer Darlegung zünden sie ein intellektuelles Feuerwerk aus süffisanten  Aphorismen, sarkastischen Spitzen und pointierten Mini-Sketchen. Da haben sich zwei Typen gefunden, die sich perfekt ergänzen. Busse ist das Spielbein, das um den stoischen Steher Venske streift und mit bewundernswerter Lakonie die meisten Pointen abfeuert. Sprachstark. Respektlos. Sarkasmus und Höflichkeit paaren sich in Busses Witz, während Venske in harten Tönen die Demokratie hinterfragt. „Ein Agrarstaat, in dem sich jeder für eine Melkkuh hält, muss sich nicht wundern, wenn wichtige politische Entscheidungen von Rindviechern getroffen werden“, konstatiert Venske. So bezeichnet er auch den ADAC als "deutsche Auto-Al-Kaida" und fordert ironisch Zwangsorganspenden von Hartz-IV-Empfängern.
Das Faktotum Frank ‘Ivan’ Grischek, der gescheiterte Bankvorstand auf Harz IV, schnürt mit seinen Intermezzi auf dem Akkordeon die rote Schleife um diesen schönen Abend. Wie er mir verriet, brachte er sich größtenteils als Autodidakt das Akkorden spielen selbst bei. Fotos: Harald Stein

 

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