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"Protestanten ohne Protest" - Anima Fehn nimmt Stellung zum Handbuch der Geschichte der Pfälzischen Landeskirche im Nationalsozialismus
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LESERMEINUNGEN | LESERBRIEFE
Dienstag, den 21. Juni 2016 um 11:44 Uhr

Anima Fehn aus Speyer schreibt zum Beitrag "Protestanten ohne Protest" der Pfälzischen Landeskirche, der auch anlässlich der Frühjahrssynode vom 1. bis 4. Juni in speyer/aktuell und Durchblick veröffentlicht worden war.

 

"Der Titel des Handbuchs der Evangelischen  Kirche der Pfalz beschreibt zwar pauschal die Einstellung der damaligen Protestantischen Kirchenbehörde „politisch korrekt“, ist aber sachlich nicht korrekt. Ich wurde von älteren Speyerer MitbürgerInnen aufgefordert, dazu Stellung zu nehmen. Im o. a. Handbuch ist der folgende Sachverhalt auch festgehalten – aber wer liest schon ein Handbuch mit  600 Seiten?
Mein Vater war der protestantische Pfarrer und Glockenexperte Theo Fehn (1910-1984), der die Courage hatte, an einem Sonntag von der Kanzel der Dreifaltigkeitskirche zu Speyer gegen die nah gelegene Stadtobrigkeits-Behörde zu wettern. Er war ein Nazi- und Kriegsgegner und nahm kein Blatt vor den Mund. Am gleichen Abend gegen neun Uhr erschien ein Mitglied der Gemeinde in seinem Haus mit der Warnung: „Herr Pfarrer, Sie müssen aus Speyer wer, sofort! Die Nazis wollen Sie verhaften lassen!“  Mein Vater  hatte zum Glück gute Beziehungen zu Glockenfreunden im Elsaß. Er verließ Speyer noch in der Nacht. Von der Elsässischen Landeskirche erhielt er die Pfarrei St. Jean  in Wissembourg, der er in den Kriegswirren der folgenden Jahre vorstand. Die Wissembourger haben es ihm nicht vergessen. Noch Jahrzehnte lang erinnerte eine Plakette in der Kirche an seinen  Einsatz im Hospital und Lazaretten, wo er Verletzte und Sterbende, meist junge Soldaten, betreute.
Nach dem Einmarsch der Alliierten verließ er Wissembourg, kehrte in seine Heimatstadt Speyer zurück und trat dem damaligen Entnazifizierungsverein in Neustadt / Weinstraße bei. Bei den Speyerer Kirchenoberen war er nicht sonderlich beliebt. Man gab ihm erst 1948 wieder eine Pfarrstelle im winzigen Dörfchen Tiefenthal bei Grünstadt. Wahrscheinlich konnte er sich gerade deshalb mit ganzer Kraft dem Wiederaufbau des Glockenwesens in Deutschland und West-Europa widmen; er arbeitete mit allen damals existierenden Gießereien zusammen. In der Pfalz hängen auf fast allen Kirchtürmen – protestantisch oder katholisch – Glockengeläute, die er disponiert (=klanglich / liturgisch passend entworfen) und noch in der entsprechenden Gießerei überprüft hatte. Bevor er starb bemerkte er traurig : „In der Pfalz haben mich alle schon lange vergessen“. Ich habe damals widersprochen, aber heute ist dem leider so. Denken Sie an den mutigen Speyerer Pfarrer, wenn Sie das nächste Mal die Glocken hören. Sie verdanken ihm fast alle ihre (Noch-) Existenz, denn sein Gutachten sorgte 1939 (?) dafür, daß die drei großen Glocken des Speyerer Doms als „historisch“ eingestuft und somit für uns erhalten wurden."

Hinweis: Die in Leserbriefen geäußerten Meinungen decken sich nicht unbedingt mit der Meinung der Redaktion. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zu kürzen.
 

 

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