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Noch immer am Puls der Zeit: "Habe mir nie die eigene Nase aus dem Gesicht schneiden lassen" – Der ehemalige "Doppelministerpräsident" Dr. Bernhard Vogel im Gespräch
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LEBEN | MENSCHEN
Donnerstag, den 23. Juni 2016 um 08:53 Uhr
Von Rolf Dammel und Klaus Stein
Er erfreut sich im In-und Ausland noch immer großer Hochachtung und außerordentlicher Beliebtheit, sowohl in seiner Rolle als Elder Statesman, aber besonders auch als Mensch. Die Rede ist von Dr. Bernhard Vogel, dem langjährigen Ministerpräsidenten zuerst in Rheinland-Pfalz, dann nach der Wende in Thüringen. Die Durchblick/speyer-aktuell-Redakteure Rolf Dammel und Klaus Stein hatten die Gelegenheit, mit dem Speyerer Ehrenbürger in seinem Domizil in der Domstadt über die aktuellen politischen Entwicklungen zu sprechen.

So sehr Bernhard Vogel nach Jahrzehnten der Parteiarbeit für die CDU und im politischen Amt seinen Ruhestand mit der damit verbundenen Freiheit genießt, auf Rücksichtnahmen verzichten zu können, ist der Grand Signeur  bei den unterschiedlichsten Anlässen, beispielsweise als Gast bei Festvorträgen, Ehrungen, bei der Übernahme diverser Schirmherrschaften,  in seiner Funktion als Ehrenvorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung oder der CDU in Thüringen, ein gefragter Gast und Interviewpartner in den Medien.
Er beschäftige sich eher mit zu vielen als zu wenigen Ereignissen, doch sei er immer mit Spaß dabei. Es falle ihm schwer, bei einer Anfrage "nein" zu sagen. In die Mangel, so Vogel, lasse er sich aber nicht mehr nehmen: "In meiner Entscheidung bin ich frei." 
Mit dem Begriff politische Zeitenwende geht er vorsichtig um. Damit war er in seinem langen Leben immer wieder konfrontiert worden. Vogel räumt jedoch ein, dass sich die heutige Situation von früheren Herausforderungen unterscheidet. In einer Zeit des erstarkten Rechtspopulismus in Europa betrachtet er die sich häufenden Probleme in der Gemeinschaft mit Sorge - vor allem den drohenden Austritt Großbritanniens. Der Verlust dieses stabilen Faktors führt seiner Ansicht nach unweigerlich zu einer politischen und wirtschaftlichen Schwäche der EU und Deutschlands.
"Was ist aus dem arabischen Frühling geworden?" Ein destabilisierter naher Osten sowie die Nachfolge Barack Obamas im Präsidentenamt der Vereinigten Staaten sieht Vogel als weitere bedenkliche Entwicklungen an.
Hinsichtlich der wachsenden Unterstützung für die AFD fordert der ehemalige Ministerpräsident mehr Gelassenheit. Wie in vielen Nachbarländern, gebe es jetzt auch hierzulande eine euroskeptische Partei, deren endgültiges Programm und Führungsriege sich jedoch höchstens in Umrissen erkennen lasse. Außerdem wisse man, dass der Großteil der AFD-Wähler die Partei nicht aus Sympathie gewählt habe sondern aus Protest, um den etablierten Parteien einen Denkzettel zu verpassen. Aus diesem Grund sei es ratsam, mit diesen Wählern in Diskussion zu treten, ihre Sorgen ernst zu nehmen, statt sie unisono als Nazis zu brandmarken.
Bei der Frage, ob das Erstarken der Populisten auch mit der Großen Koalition in Berlin zu tun habe, bekräftigt Vogel, dass diese Regierungsform nur in Ausnahmesituationen denkbar, auf Dauer aber nicht wünschenswert sei. "Damit verbunden ist auch immer eine schwache Opposition." Vogel wünscht sich, dass die gegenwärtige Schwarz-Rote Bundesregierung ihre Arbeit gut zu Ende führt, um nach der kommenden  Bundestagswahl einer Konstellation Platz zu machen, die eine Große Koalition nicht mehr benötige. Eine weitere Schwächung der großen Volksparteien sei  nicht erstrebenswert; doch er könne sich vorstellen, dass es sich auch mit sechs Parteien im nächsten Bundestag  stabil regieren ließe.
Es sei aber grundsätzlich zu wünschen, dass CDU/CSU und SPD der Qualität und Kompetenz wegen wieder erstarkten. Von den vor allem mit Hilfe der neuen elektronischen Medien in immer kürzeren Perioden kursierenden, nahezu plebiszitären Meinungsumfragen, hält Vogel indes wenig. Politiker müssten sich diesen Herausforderungen stellen, aber statt beispielsweise der Sonntagsumfrage das Wort zu reden und ihr Handeln danach auszurichten, eine Politik der Weitsicht betreiben. Er selbst habe sich in seiner langen Laufbahn stets danach gerichtet, ein klares Ziel vor Augen zu sehen und sich nicht von der Demoskopie abhängig zu machen. Diese Maxime gelte es auch heutzutage zu befolgen. "Abgerechnet wird immer am Ende des Wahltages", dies habe sich bei der letzten Landtagswahl hier in Rheinland-Pfalz bewahrheitet.
Auf die Frage, ob er Julia Klöckner, der CDU-Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl, angesichts schwindender Umfragewerte in den Wochen vor der Wahl, zu mehr Gelassenheit geraten hätte, antwortete Vogel nur indirekt: "Trotz der Niederlage für meine Partei bei der Landtagswahl am 13. März habe ich Hochachtung für die Leistung der Spitzenkandidatin Julia Klöckner, Es ist ihr gelungen, die Partei wieder zu einer Einheit zu führen." Auch habe sie äußerst besonnen auf das für sie ungünstige Wahlergebnis reagiert.
Von Minderheitsregierungen hält Bernhard Vogel wenig. "Sie sind in ihrem Handeln wegen der ständigen Mehrheitsfindungen begrenzt. Es brauche handlungsfähige, starke Regierungen, die Nägel mit Köpfen machten, keine schwachen. Im Rückblick auf seine aktive Zeit als Politiker hat Vogel gelernt, Kompromisse auch gegen die eigene Überzeugung als Grundvoraussetzung für konstruktives politisches Handeln zu schließen, es  gebe aber Grenzen: "Faule Kompromisse bin ich nie eingegangen", so Vogel. Bei wesentlichen Dingen sei er Zeit seines Lebens dem Grundsatz treu geblieben, sich die eigene Nase nicht aus dem Gesicht schneiden zu lassen.
Obwohl er als Ministerpräsident in Thüringen längere Zeit nicht in Speyer gelebt habe, sei er der Domstadt treu geblieben, fühle sich hier sehr wohl und bestens aufgehoben. Zwar habe er sein Standbein in der Pfalz, in seiner Brust schlage aber ein Herz, das auch Wurzeln nach Thüringen gezogen habe. (Foto: ks)

Zur Vita:
Bernhard Vogel hat zahlreiche öffentliche Ämter bekleidet. Er  war von 1976 bis 1988 Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz und von 1992 bis 2003 des Freistaats Thüringen. Von 1989 bis 1993 und von 2001 bis 2009 war er Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung. Im Dezember 2009 ist er auf der Mitgliederversammlung der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. zum Ehrenvorsitzenden gewählt worden. Von 1971 bis 1988 war er Mitglied des Landtages von Rheinland-Pfalz. Von 1994 bis 2004 war er Mitglied des Thüringer Landtages.

 

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