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Strahlender Genuss: Radioaktive Belastung bei ALDI-Pfifferlingen aus Weißrussland relativ hoch - Aktuelle Grenzwerte nach Expertenmeinung 'völlig inakzeptabel'
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SPEYER | Speyer heute
Samstag, den 04. September 2010 um 05:37 Uhr

Von Klaus Stein
Jetzt ist wieder Pilzsaison und die Liebhaber der schmackhaften Waldfrüchte kommen voll auf ihre Kosten. Da es in unseren Wäldern nicht genügend Pilze gibt, um den Appetit aller Pilzliebhaber zu stillen, kann man beispielsweise Pfifferlinge auf dem Markt, aber auch bei Discountern wie ALDI kaufen.
 

Jetzt ist es aber so eine Sache mit den Discountern, denn die verkaufen zwar ihre Produkte recht günstig, müssen dafür aber auch günstig einkaufen. Pfifferlinge aus heimischen Wäldern sind aber relativ selten, wie eingangs schon angemerkt, so dass schon seit Jahren Osteuropäische Ware in den Handel kommt. Das ist meist  unproblematisch, außer wenn die gelben Schwämme aus dem teilweise stark radioaktiv verseuchten Weißrussland kommen - Stichwort Tschernobylkatastrophe.
Ende Juli hat ALDI Süd auch in Speyer solche weißrussischen Pfifferlinge in der Gemüsetheke zum Verkauf gebracht und speyer-aktuell hat sie im Umweltinstitut München auf Radioaktivität testen lassen. Dort wurden 319 Bq/kg (Becquerel je Kilogramm) des künstlichen, bei Kernspaltungsprozessen entstehenden Isotops Cäsium 137 gemessen. Pilze, die wie andere Pflanzen des Waldes aus der oberen Humusschicht mit Nährstoffen versorgt werden, sind Cäsiumsammler.
Cäsium 137 gilt als potenzieller Krebsauslöser. Es lagert sich im ganzen Körper und in den Organen ein.
Zur Zeit gilt in den Ländern der Europäischen Union zwar ein Grenzwert (der nach der Tschernobylkatastrpohe deutlich hochgesetzt worden war) für die Cäsium-Gesamtbelastung von 600 Bq/kg für Nahrungsmittel und von 370 Bq/kg für Milch, Milchprodukte und Säuglingsnahrung - die werden von ALDI eingehalten, aber unabhängige Experten raten zu strengeren Grenzwerten. Nahrung für Erwachsene sollte mit höchstens 30 bis 50 Bq/kg und für Kinder, stillende und schwangere Frauen mit höchstens 10 bis 20 Bq/kg belastet sein. Wegen Unsicherheiten bei den Bewertungsgrundlagen wird für Kindernahrung jedoch meist nur ein Höchstwert von 5 Bq/kg Cäsium empfohlen.
Da sich keine Grenze angeben lässt, unterhalb der Radioaktivität ungefährlich wäre, sollte gemessenen  im Sinne des Minimierungsgebots generell so wenig wie möglich Radioaktivität aufgenommen werden.  Im Übrigen sei inzwischen "weitgehend unstrittig, dass es für die gesundheitlichen Auswirkungen von Radioaktivität keinen Schwellenwert gibt", meint die internationale Ärzteorganisation IPPNW.
Unter diesem Aspekt erscheint der bei den ALDI-Pfifferlingen gemessene Wert von 319 Bq/kg in einem anderen, bedenklichen Licht.
speyer-aktuell hat bei ALDI nachgefragt, ob das Unternehmen die bei ihren Pfifferlingen gemessene radioaktive Belastung für vertretbar hält und bekam - neben einem Hinweis darauf, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten wurden - folgende Antwort: "ALDI SÜD verfolgt konsequent das Qualitätsprinzip und verwendet größte Sorgfalt darauf, seinen Kundinnen und Kunden nur Ware von hervorragender Qualität zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten. Für unsere Lebensmittel haben wir daher hohe Anforderungen an Güte, Frische und ernährungsphysiologische Ausgewogenheit definiert. Alle Produktionsebenen werden umfassend überprüft. Unser Qualitätssicherungssystem beginnt bereits bei der Auswahl der Lieferanten."
ALDI hat also ganz offensichtlich keine Probleme damit, ein Produkt aus Weißrussland in den Handel zu bringen, das 10 bis 15 Mal mehr strahlt als in Mitteleuropa gesammelte Pfifferlinge.
Der heute noch aktuelle Grenzwert  zum Schutz vor möglichen Krebserkrankungen sei völlig inakzeptabel, meint auch Professor Edmund Lengfelder, einer der ausgewiesensten internationalen Experten auf diesem Gebiet. Lengfelder hat bisher über 200 Publikationen überwiegend in der internationalen Fachliteratur und zu den Themenbereichen Radikalbiochemie, molekulare und zelluläre Strahlenwirkung, Strahlenrisiko, Radioökologie, Folgen nuklearer Unfälle, Tschernobyl-Folgen verfasst.


Hintergrund:
Schon seit 1992 weist beispielsweise die internationale Ärzteorganisation IPPNW, die sich seit Jahrzehnten mit dem Folgen atomarer Prozesse beschäftigt und den Friedensnobelpreis bekommen hat, in ihren Schriften auf erhöhte Kinderkrebsraten durch Niedrigstrahlung in der Umgebung von Atomkraftwerken hin.
Eine Kinderkrebsstudie (KiKK-Studie) aus dem Jahr 2007 zeigt, dass die Kinderkrebsrate im Nahbereich von Atomkraftwerken erhöht ist. Kinder, die näher an einem AKW wohnen erkranken schneller an Kinderkrebs und Leukämie als Kinder, die weiter von einem AKW entfernt wohnen.
Der sogenannte "Petkau-Effekt" gilt als besterforschter biophysikalischer Wirkungsmechanismus der Niedrigstrahlung. Der kanadische Arzt und Wissenschaftler Abram Petkau beobachtete Anfang der 1970er Jahre, daß künstliche Zellmembranen nach Langzeitbestrahlung mit niedriger Dosisleistung und kleiner Gesamtdosis leichter aufbrachen als nach kurzzeitiger Exposition und höherer Dosisleistung. Zur Zerstörung der Zellmembranen genügte bei kleiner Dosisleistung eine 5000-fach kleinere Dosis als bei hoher Dosisleistung.
Bei der Kernspaltung in einem Reaktor wird Uran (U 235) in unterschiedliche radioaktive Zerfallsprodukte gespalten. Für die schädigende Wirkung relevant sind vor allem die radioaktiven Elemente Jod 131, Cäsium 137, Strontium 90 und Plutonium 239. Sie werden durch Aerosole (Staubteilchen in der Luft) verteilt und eingeatmet, von Regen und Wasser in die Erde eingewaschen oder gelangen über die Pflanzen in die Nahrung.
Jod 131, Cäsium 137, Strontium 90 und Plutonium 239 sind strahlende, instabile Elemente. Sie werden deshalb auch Radionuklide oder Radioisotope genannt: Sie zerfallen wiederum in neue Elemente und senden dabei Strahlungsenergie aus. Trifft diese radioaktive Strahlung auf Körperzellen, dann entstehen auch dort unstabile, äußerst reaktionsfreudige Teile, so genannte freie Radikale.
Durch diese freien Radikale oder Ionen kann es zu Fehlfunktionen in den Körperzellen kommen. Sie schädigen die Desoxyribonukleinsäure (DNS), den Träger der Erbinformation im Zellkern, auf dem das "Programm" der Zellen gespeichert ist, das ihre identische Vermehrung, ihren Aufbau und ihre Funktion steuert. Durch diese Schädigung der DNS können unter anderem Krebs und andere Veränderungen des Erbgutes ausgelöst werden. Dieser Zusammenhang ist inzwischen wissenschaftlich anerkannt.

 

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