BECHER UND DIE GEGENWART

VIDEOS

URLAUB UND FREIZEIT

MENSCHEN

LESERBRIEFE

JUGENDMAGAZIN

MEIST GELESENE ARTIKEL

NATUR UND UMWELT

WIRTSCHAFT UND ARBEIT

MODE UND LIFESTILE

SOCIAL-BOOKMARKING

Hinzufügen zu: Facebook Hinzufügen zu: Mr. Wong Hinzufügen zu: Webnews Hinzufügen zu: Windows Live Hinzufügen zu: Favoriten.de Hinzufügen zu: Linksilo Hinzufügen zu: Readster Hinzufügen zu: Linkarena Hinzufügen zu: Del.icoi.us Information

AKTUELLE MELDUNGEN

Unzählige Ostereier verteilten die Parteien am Samstag vor Ostern in Speyer. Die SPD brachte das Symbol für das Osterfes...
Alle Jahre laden der CDU Ortsverband und Miteinander e.V. zum gegenseitigen Kennenlernen unserer Kultur und unserer Oste...
Unter den etwa zwei Dutzend Besuchern des traditionellen Osterkaffees der SPD Speyer-Nord am Karfreitag war auch die Bun...
Essen nur für Deutsche? Speyerer Tafel-Nutzer beklagen fremdenfeindliche Sprüche - Tafel-Vorsitzende Zwick distanziert sich von rechten Parolen
Drucken
SPEYER | Speyer heute
Donnerstag, den 16. Februar 2017 um 08:32 Uhr

Von Klaus Stein
"Rassisten forderten Essen nur für Deutsche", schreibt die Zeit online und der Bundesverband Deutsche Tafel e.V. sieht sich veranlasst, zu dem Problem Rassismus im Zusammenhang mit den Tafeln Stellung zu nehmen: "Die versuchte Einflussnahme Rechtsextremer auf die Tafeln steigt", heißt es da. "Die Helfer für die Tafeln in Deutschland werden wegen ihres Engagements für Flüchtlinge verbal angegriffen. "Uns schlägt zunehmend Wut entgegen. Wir werden beschimpft und beleidigt dafür, dass wir uns für bedürftige Menschen einsetzen", sagte Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes der Tafeln, kürzlich der Neuen Osnabrücker Zeitung.

 

Auch in den Räumen der Speyerer Tafel soll es dieser Tage zu ausländerfeindlichen Aussagen gekommen sein, schenkt man zwei Nutzern dieser Einrichtung Glauben. Herr "Z" (Name der Redaktion bekannt) ist fast 70 Jahre alt und muss als Rentner mit Grundsicherung auskommen. Er ist dankbar, dass er bei der Tafel Lebensmittel bekommt und so sein schmales monatliches Budget etwas länger reicht. Beim Gespräch mit unserer Zeitung war Herr "Z" empört über die Aussage eines Mannes, der im Warteraum der Tafel in der Seekatzstraße sich zu einer Art "Aufseher" ernannt hatte und den Andrang mit den Worten "warum stehen hier so viele Leute, die nicht nach Deutschland gehören" kommentierte. Der hatte einen Begleiter, der zustimmend genickt haben soll.
Auch Frau "R" möchte nicht mit vollem Namen genannt sein, denn sie fürchtet Sanktionen. Sie ist Akademikerin mit Migrationshintergrund. In ihrem Herkunftsland war sie als Redakteurin tätig, bis die Zeitung, für die sie arbeitete, dicht gemacht wurde. Beruflich konnte sie bisher in Deutschland trotz guter Sprachkenntnisse nicht Fuß fassen, zumal sie ihre kranke Mutter pflegt. "Das ist das erste Mal, dass ich persönlich von einem solchen Akt von Ausländerfeindlichkeit betroffen bin", sagt sie. Bisher kannte sie so etwas nur aus dem Fernsehen.
Herr "Z" kommentierte die fremdenfeindlichen Aussagen nach eigenem Bekunden mit den Worten: "Sind wir wieder so weit, dass wir solch eine braune Sprache anhören müssen?"
Als er dran gewesen sei habe er die Tafel-Vorsitzende Heiderose Zwick, die an der Kasse stand, über den Vorfall informiert. Die habe sich aber nur über seine Beschwerde aufgeregt und ihm Konsequenzen angedroht, wenn er nicht ruhig sei.
Tatsächlich hat Herr "Z" wenige Tage später einen Brief von der Tafel bekommen, unterschrieben von der Vorsitzenden, in dem ihm der Ausschluss von der Tafel angedroht wurde, sollte er keine Ruhe geben.
Wir haben Heiderose Zwick um Stellungnahme gebeten, die sie aber ablehnte. Sie wolle sich erst nach dem Erscheinen des Artikels dazu äußern. Allerdings legte sie Wert auf die Feststellung, dass Fremdenfeindlichkeit bei der Tafel nicht geduldet werde.
Das sieht auch der Bundesverband so, der steigende versuchte Einflussnahme Rechtsextremer auf die Tafeln feststellt. Unter dem Deckmantel des vermeintlich Sozialen inszenierten sich rechte Parteien als Spender bei den Tafeln und rechte Gruppierungen demonstrierten für die ausreichende Versorgung "deutscher" Bedürftiger.
"Als Verband sehen wir es als unsere dringliche Aufgabe an, uns vor diesem Hintergrund deutlich im Namen aller Tafeln gegen Rechtsextremismus und Rassismus zu positionieren. Das Angebot der Tafeln steht prinzipiell allen Menschen offen, die bedürftig sind – egal, welcher Herkunft, Religion oder Kultur. Unsere Arbeit und unser Miteinander sind von gegenseitiger Toleranz und Respekt geprägt. Als erste Maßnahme gegen Rechts werden wir am 20. März unsere Charta „Anerkennung statt Ausgrenzung“ im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus veröffentlichen."
Generell sei die Situation der Speyerer Tafel derzeit schwierig, denn die Zahl der anerkannten Bedürftigen sei höher als die Menge der Spenden, so die Vorsitzende. Deshalb gebe es einen Aufnahmestopp, werde eine Warteliste geführt: "Wenn jemand sechs Wochen lang nicht hier war gehen wir davon aus, dass sein Platz frei geworden ist und vergeben ihn weiter."
Auch sei es schwierig, genau zu planen, denn die Art der Spenden seien eher ein Zufallsergebnis - es sei nicht vorhersehbar, von was man wie viel bekomme.
In Deutschland nutzen heute etwa 1,5 Millionen Menschen regelmäßig die sogenannten Tafeln, um kostenlos an Lebensmittel zu kommen. Das sind doppelt so viele Tafelnutzer wie noch vor zehn Jahren. Wegen des Ansturms haben die Tafeln in den vergangenen zwei Jahren nicht nur in Speyer Aufnahmestopps verhängt und Wartelisten aufgehängt.
Laut einer Umfrage des Tafel-Bundesverbandes 2016, an der sich 482 der insgesamt 917 Mitglieds-Tafeln beteiligten, seien in Rheinland-Pfalz/Saarland die Tafel-Nutzer um 18,3 Prozent gegenüber den Vorjahren gestiegen. Die größte Kundengruppe der Tafeln waren auch im Jahr 2016 deutsche Staatsbürger ohne Zuwanderungsgeschichte (ca. 39 %), gefolgt von Asylbewerbern/neu angekommenen Flüchtlingen (ca. 24 %), Deutschen mit Zuwanderungsgeschichte (ca. 19 %) sowie Migranten aus Drittstaaten mit Aufenthaltstitel (ca. 11 %) und Migranten aus Ländern der EU (ca. 7 %).

 

Kommentare können erst nach einer Anmeldung auf unserer Seite abgegeben werden.
Neue Einträge werden erst nach Freischaltung sichtbar.