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KLARTEXT: Marginalien zu 'Skandalen' hochgepuscht - Dünne Faktenlage in Wallraff-Film über angeblich skandalöse Zustände bei der Lebenshilfe - Schwerfe Vorwürfe von Ex-Wallraff-Mitarbeiter
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SPEYER | Speyer heute
Montag, den 27. Februar 2017 um 16:08 Uhr

Von Klaus Stein
Für mich war Günter Wallraff seit Jahrzehnten eine Ikone des investigativen Journalismus. Wer erinnert sich nicht, dass er als Türke Ali die Untiefen der offenen und latenten Fremdenfeindlichkeit in Deutschland am eigenen Leib erfuhr. Seit er allerdings für den Privatsender RTL unterwegs ist, bröckelt das "Denkmal" Wallraff. Ich habe mir den Teil des Films über die Lebenshilfe Speyer-Schifferstadt mehrfach angesehen. Mein Eindruck ist, dass das Ergebnis aus journalistischer Sicht recht dünn ausgefallen ist. Die meisten der gezeigten Szenen sind nicht eindeutig sondern interpretierbar.
 

So ist beispielsweise das Schreien eines geistig Behinderten nicht unbedingt ein Ausdruck von Misshandlung. Auch hat laut Lebenshilfe der Schützling, der angeblich nicht auf die Toilette gelassen wurden, einen Dauerkatheder, muss zumindest zum Urin ablassen nicht auf die Toilette. Er werde schon Viele Jahre durch die Lebenshilfe betreut und ist bekannt dafür, dass er mit dem Rufen, er müsse zur Toilette, lediglich die Aufmerksamkeit auf sich ziehen will, wissen Lebenshilfe-Mitarbeiter. Das Ganze wird auch dadurch nicht seriöser, dass man sogenannte Experten die Szenen kommentieren lässt, denn die folgen der Wallraff-Interpretation. Die Expertenkommentare haben im Film die dramaturgische Funktion, die dünne Faktenlage "aufzupeppen".
Die Ungereimtheiten im Film decken sich mit den Erfahrungen von Uwe Herzog, einem ehemaligen Mitarbeiter von Wallraff: "Allzu oft werden Einzelfälle von 'Team Wallraff' verallgemeinert, Marginalien zu 'Skandalen' hochgepuscht und durch raffinierte Filmschnitte Ereignisse und Aussagen verzerrt wiedergegeben. Als langjähriger Journalist und Medienschaffender, der selbst über viele Jahre mit Günter Wallraff zusammengearbeitet und diese Zusammenarbeit schließlich aufgrund zahlreicher negativer Erfahrungen beendet hat, bin ich überzeugt: Mit seriösem Journalismus hat das alles nichts mehr zu tun", schreibt Herzog im Internetportal "Kressnews". Er wirft dem "Team Wallraff" unter anderem "Kameraspitzelei" vor. Das habe mit seriösem Journalismus wenig zu tun. "Bei 'Team Wallraff' werden unter dem Deckmantel der Aufklärung Menschen selbst in hilfloser Lage als unfreiwillige Komparsen angeblicher Enthüllungen missbraucht. Die Informationsfreiheit der Presse verkommt zum billigen Voyeurismus", weiß der ehemalige Insider Herzog.
Da wird Journalismus dem Niveau von Erfolgsprodukten des Fernsehsenders RTL wie "Bauer sucht Frau" oder "Dschungelcamp" angepasst.
Das dabei zerschlagene Porzellan müssen andere wegkehren.

 

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