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Große Fußstapfen: Speyerer GEWO-Chef Alfred Böhmer geht Ende Februar 2018 in Rente - Innovativste Persönlichkeit der südwestdeutschen Wohnungswirschaft mit beeindruckender Arbeitsbilanz
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SPEYER | Speyer heute
Donnerstag, den 30. November 2017 um 23:33 Uhr
Von Klaus Stein
 Seit 23 Jahren leitet Alfred Böhmer sehr erfolgreich die Geschicke der städtischen Wohnungsgesellschaft GEWO. Mit dem Erreichen des Rentenalters reicht er Ende Februar 2018 das Zepter an seinen Nachfolger weitern, der in den nächsten Tagen der Öffentlichkeit präsentiert wird. Bis dahin wird er, wie in den vergangenen Jahrzehnten auch, seine volle Arbeitskraft dem Unternehmen widmen. "Nachdem es mich Anfangs des Jahres gesundheitlich ziemlich schlimm erwischt hatte bin ich nachträglich froh gewesen über meine Entscheidung, bei der letzten Vertragsverlängerung nur noch drei anstatt fünf Jahre akzeptiert zu haben", so Böhmer.

Der gebürtige Mainzer zählt in der Branche zu den kompetentesten und innovativsten Persönlichkeiten, so dass die Fußstapfen, die er hinterlässt, für seinen Nachfolger eine Herausforderung sein werden. Der verfügt laut Böhmer über zwei Jahrzehnte Erfahrung in diesem Geschäft, habe als Techniker auch kaufmännisches Geschick. Die GEWO sei für ihn der Schritt von der zweiten in die erste Reihe.
 Auch er habe vor 23 Jahren die Chance in Speyer zum beruflichen Aufstieg genutzt, nachdem er vorausgeahnt hatte, dass sein vorheriger Arbeitgeber vom Land privatisiert werden würde: "Das verkaufen von Tafelsilber der öffentlichen Hand zur Sanierung der defizitären Haushalte war damals im Trend." Es habe sich aber herausgestellt, dass die Schulden schnell wieder da, die Vermögenswerte aber unwiederbringlich weg gewesen seien.
 "Ich muss gestehen, dass ich einen Plan in der Schublade hatte für den Fall, dass auch die GEWO privatisiert werden sollte, nämlich die Gründung einer Genossenschaft, die den Wohnungsbestand hätte übernehmen können."
 Zu den wichtigsten Errungenschaften während seiner Dienstzeit zählt der Wahl-Neustadter die Soziale-Stadt-Projekte in Speyer Nord und -West mit dem Abriss der Hochhäuser in der Siedlung, der Bau des Mehrgenerationenhauses und die Quartiersmensa Q+H. Ein städtebaulich besonders interessantes Projekt sei für ihn der "Kulturhof" gewesen, anfangs heftig umstritten, heute ein Beispiel für gelungenes Verbinden von alt und neu.
 Seine Vorerfahrung mit Konversionsprojekten sei ihm in Speyer bei der Umwandlung des ehemaligen Schlachthofs in eine Wohnsiedlung mit wegweisendem Heizungskonzept und bei der Verwertung der Liegenschaften nach dem Abzug der französischen Armee zugutegekommen.
Stolz ist Böhmer auch darauf, dass es gelungen ist, trotz des Zwangs zur Wirtschaftlichkeit mit den Mieten im Durchschnitt unter dem Mietspiegel zu bleiben: "Wir sind immer noch dem Gemeinwohl verpflichtet und nicht dem Erzielen des maximalen Profits." Die Mieten bei mehr als die Hälfte der GEWO-Wohnungen liege unter dem für sozialen Wohnungsbau erlaubten Niveau, obwohl nur ein Viertel sozial gebunden seien. Der soziale Gedanke gehört für den gläubigen Christen zu seiner Lebens-Grundhaltung.
"Du bist mal wieder der Erste", so die Reaktion eines Ministerialbeamten in Mainz, als Böhmer bei ihm vorstellig wurde mit dem Vorschlag, die Tatsache der Sozial-Übererfüllung zur Verringerung der Bürokratie die bei neuen, sozial geförderten Bauprojekten anfalle, zu nutzen. "Das war zwar rechtlich möglich geworden, die hatten aber noch kein Vertragsmodell für diesen Fall entwickelt."
Diese Situation war für ihn nicht neu, denn immer wieder war der GEWO-Mann mit innovativen Finanzierungsmodellen vorstellig geworden, hatte fertige Konzepte vorgelegt, die dann von Branchenkollegen übernommen wurden.
Intensiv habe er sich mit dem Thema "autofreie Wohnquartiere" beschäftigt, hätte er gerne mehr umgesetzt in dieser Richtung. Obwohl es städtebaulich das Richtige wäre, scheitere es meist an den Kosten beispielsweise für Parkdecks an der Peripherie, die das Unternehmen nicht alleine tragen könne.
Seit zwei Jahren sei die GEWO mit einem neuen EDV-System befasst, durch das die Verwaltungsprozesse transparenter werden. In diesem Kontext nutzten bereits die Hälfte der Mieter eine App, mit der die Kontaktaufnahme mit der Verwaltung und die Nutzung von Dienstleistungen deutlich vereinfacht werden.
Alfred Böhmer ist ein überzeugter Verfechter für eine Bauweise mit vorgefertigten Modulen, wie sie beim geplanten Modellprojekt für preisgünstiges Bauen im Mausbergwerg zum Einsatz kommen sollen: "Module verkürzen die Bauzeit, entsprechen den gesetzlichen Anforderungen an Wärmedämmung und bieten auch sonst noch einige Vorteile."
Wenn der 65-Jährige am 28. Februar 2018 nach der zweimonatigen Einarbeitung seines Nachfolgers sein Speyerer Büro räumt, dann wird er sich nicht auf die Rentnerbank setzen, denn es steht der Umzug in eine neue Wohnung an - natürlich mit einem Musikzimmer. "Wenn mal etwas nicht so gelaufen ist, wie ich es mir vorgestellt habe, dann konnte ich meinen Frust auf der Fahrt nach Neustadt abbauen, und wenn die 20 Minuten mal nicht ausgereicht haben, denn bin ich zuhause zum Stressabbau direkt in den Keller in mein Musikzimmer - das hat immer funktioniert."
Böhmer wird der Wohnungswirtschaft allerdings nicht ganz verloren gehen: "Ich kann mir vorstellen, bei zeitlich begrenzten Projekten mitzuwirken." (Foto: ks)

 

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