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"Storrytelling" und "Fake News" im Mittelalter - Bernd Schneidmüller gibt Einblick in das Leben und Nachleben von Rudolf von Habsburg
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SPEYER | Speyer heute
Freitag, den 13. April 2018 um 16:09 Uhr
"Rudolf von Habsburg. Geschichten vom Regieren im Reich und vom Sterben in Speyer." So lautete der vielversprechende Titel eines öffentlichen Vortrags, den Professor. Dr. Bernd Schneidmüller von der Universität Heidelberg am Abend des 11. April im Dom zu Speyer hielt. Den Rahmen dazu gab das vierte wissenschaftlichen Symposiums der Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer. Anlass für das Symposium wie für den Abendvortrag ist der bevorstehende 800. Geburtstag von Rudolf von Habsburg am 1. Mai.

Der Einblick, den der Historiker Schneidmüller in das Leben und die Wirkungsgeschichte von König Rudolf von gab, geriet keineswegs trocken akademisch sondern glich mehr einer der eindrücklichen literarischen Schilderungen, die er zitierte. Zudem stellte Schneidmüller klar, dass eine solche Betrachtung im Dom ideal verortet sei, da man sich quasi direkt über den sterblichen Überresten des Königs befände.
Gleich zu Beginn ermutigte Bernd Schneidmüller seine Zuhörer, sich "von einstiger Lust am Erzählen übermannen zu lassen". Und so schilderte er "Stories" aus dem Leben eines "Aufsteigers", die – und das war etwas völlig Neues – den König als Menschen zeigten. Wohl wies er darauf hin, dass diese Episoden, die er als "Facetien" bezeichnete, zum Teil auch als "alternative Fakten" zu gelten hätten. Gestrickt und platziert, um gezielt ein besonderes Bild des König zu formen. Sein Vortrag löste "Geschichte in Geschichten auf" und rückte die mittelalterlichen Geschichten um Rudolf ins Zentrum: "die Anekdoten, die Schwänke, die Lobpreisungen, die Scheltworte." Damit verabschiedete sich Schneidmüller jedoch nicht von der strukturierten Betrachtung eines Historikers. Er hob vielmehr auf den Wert dieser Quellen ab. Ab dem 13. Jahrhundert schienen viele Geschichtsschreiber ohne Strukturen, ohne Fokussierungen auf die großen Dinge, ohne Richtungen auszukommen. Darin sei jedoch keine Zerfallsgeschichte zu sehen, sondern eine Befreiung aus dem "Korsett einer geschichtsschreibenden Leitkultur". Die Dominikaner und Franziskaner berichteten natürlich religiös fundiert aber episodenhaft von den großen, aber eben auch den kleinen Geschehnissen dieser Zeit. So steht in einem Bericht der Kolmarer Dominikaner die Nachricht über den Schlachtensieg Rudolfs gegen König Ottokar von Böhmen neben vielen kleineren Episoden, etwa der eines Kolmarer Hirten, der von seinen eigenen Schweinen gefressen wurde.
Diese kleinen Geschichten und Begebenheit eigneten sich freilich auch auf das Beste um mit "alternativen Fakten" die Herrschaft Rudolfs und seiner Nachfahren zu etablieren. So wurde beispielsweise die Herkunft Rudolfs neu konstruiert. Gleichzeitig wurde seine bescheidene und kluge Handlungsweise zur Schau gestellt, die den König als Menschen zeigten. Hohe und niedrige Adelige sowie bürgerlichen Eliten überzeugte Rudolf durch "persönliche Tapferkeit und Schlagfertigkeit".
Durch geschickte Regierungspolitik gelang Rudolf von Habsburg, was keinem seiner Vorgänger gelungen sei, nämlich die "schreckliche, kaiserlose Zeit" zu beenden. Durch geschickte Heiratspolitik vermochte er es zudem, seinen Nachkommen Macht und Einfluss zu sichern: Mit ihm begann der Aufstieg des Hauses Habsburg. In seinem Vortrag widmete sich Schneidmüller auch dem Menschen Rudolf von Habsburg und zeigte, wie die über ihn überlieferten Geschichten sowohl einen historischen Wandel, wie auch einen Wandel in der Geschichtsschreibung dokumentierten. (Text: Friederike Walter/Foto: Klaus Venus)

 

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