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"Kein Gefälligkeitsgutachten für die BASF" - Rege Anteilnahme zum Thema Sondermülldeponie Flotzgrün bei Fachgesprächabend im Hotel Löwengarten
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VORDERPFALZ | Uebersicht Vorderpfalz
Freitag, den 06. Mai 2016 um 14:57 Uhr
Die von der BASF geplante Erweiterung der Sondermülldeponie auf der Rheininsel Flotzgrün und die aktuelle Lage sorgen wohl noch längere Zeit für Zündstoff und Diskussionen in der betroffenen Region. Über potentielle Gefahren für die Trinkwasserversorgung in Speyer hatte die Fraktion der Grünen am Dienstagabend zu einer Experten – und Fragerunde in das Hotel "Löwengarten" eingeladen. Bei dem Fachgesprächabend bezogen BUND-Regionalbeauftragter Roland Kirsch, der Betriebsleiter der Deponie Frank Eckert, BASF im Verbund mit Bodengutachter Dr. Klaus Schnell, Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Bühring mit Jürgen Hermes (Bereichsleiter Anlagen und Netze SWS Speyer) sowie Manfred Schanzenbächer, Referatsleiter Wasser – Abfallwirtschaftwirtschaft/Bodenschutz bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD) Stellung zu der Problematik.

Bekanntlich hatte die BASF hatte im April des vergangenen Jahres bei der SGD Süd beantragt, die bestehende Sondermülldeponie Flotzgrün um einen achten Abschnitt zu erweitern, da Abschnitt 7 in 2018 befüllt sein wird. Gelagert werden sollen vor allem Bodenaushub und nicht verwertbarer Bauschutt aus den BASF-Anlagen in Ludwigshafen. Der Planfestellungsantrag hierzu liegt vor. Der BUND sieht im Gegensatz zur BASF nach der bereits mit Sickerwasser kontaminierten Grundwassertiefenbereiche I und II durch die Altlasten ein andauernd akutes Gefahrenpotenzial nach Messungen weiterhin auch im Tiefenbereich III durch Verunreinigungen mit den Pestiziden Mecoporp und Bentazon über dem 40fachen gültigen Grenzwert die messbar nachgewiesen werden konnten und in Richtung Trinkwassergebiet Süd fließen. Der BUND, so Kirsch, fordere deshalb ein Sanierungskonzept mit Beseitigen dieser Emissionsquelle, eine Sicherheitsleistung für die Behebung der Grundwasserschäden sowie den Verbleib der Altdeponieabschnitt in der Stilllegungsphase mit technischen Sicherungsmaßnahmen. Die Abschnitte dürften nicht nach dem Bodenschutzrecht alleine den Händen des Betreibers, sondern müssten auch künftig dem Abfallrecht mit Zuständigkeit bei der SGD unterliegen. BASF- Deponieleiter Eckert verwies in seinen Ausführungen auf die bestehende Transparenz und Offenlegung seitens des Chemiekonzerns. Dies werde von den meisten Deponiebetreibern so nicht geleistet. Eine ausreichende Verfügbarkeit von Deponieraum sei ein wesentliches Element der Standortsicherung. Man sei sich seiner Verantwortung für ein fachgerechtes Entsorgen sehr wohl bewusst und stehe dazu. Vorrangige Zielsetzungen der Firma seien, die anzuliefernde Abfallmengen zu minimieren, für eine ausreichenden Schutz des Grundwassers durch noch effektiveres Abdecken zu sorgen (Anm. der Redaktion: mit dem Einsatz eines geoelektrischen Kontrollsystems beim Neuabschnitt 8, das undichte Stellen sofort anzeigt) sowie ein strenges Monitoring (Messen und Überwachen) durchzuführen, das sowohl von der BASF als auch einer unabhängigen Instanz vorgenommen werde. Eckert erinnerte nochmals an den Betrieb von sieben Sanierungsbrunnen, die am Deponierand das Grundwasser aus dem betroffenen Bereich abpumpten, das dann zur Reinigung in die betriebseigene Kläranlage transportiert werde. Bodengutachter Dr. Schnell  sieht derzeit keine Gefährdung der Trinkwasserqualität in Speyer. Aus technischer Sicht sei eine Umlagerung- bzw. ein Rückbau der Altabschnitte zwar durchführbar, unter Abwägung aller Umstände und Argumente aber unverhältnismäßig, da der Schaden ja bereits bestehe. "Es handelt sich hierbei um einen Abwägungsprozess, keinesfalls um ein Gefälligkeitsgutachten für den Auftraggeber. Nach Auffassung von SGD-Vertreter Schanzenbächer müsse die Basisabdichtung gemäß den heutigen Sicherheitsstandards dauerhaft und nicht nur für den zu Beginn angelegten Zeitraum von 100 Jahren gewährleistet sein. Eine akute Gefährdung liege nicht vor.  Das Mitte Februar erstellte Behördengutachten habe ergeben, dass unter den ungünstigsten Bedingungen in frühestens 40 Jahren mit einer Trinkwasserbelastung (durch die  Pestizide  gerechnet werden könne. Aufgrund dieses Gutachtens gelange man zudem zu der Überzeugung, dass die meisten wasserlöslichen Schadstoffe aus den Altabschnitten zu Beginn der Ablagerung  sowie im Laufe der Zeit bereits ausgeschwemmt seien. Die Standsicherheit der Insel bei Hochwasser sei nicht zuletzt auch  durch die Fertigstellung der Polderanlage im Süden gewährleistet.  Die SGD empfehle die hydraulische Sicherung zu optimieren und das Monitoring  auszudehnen. Es bestehe jedenfalls auch künftig Handlungsbedarf. Für Stadtwerke-Geschäftsführer Bühring ist eine dauerhafte Sicherstellung der Trinkwasserversorgung in Speyer ein Kriterium von überregionaler Bedeutung. Man nehme die Thematik sehr ernst.  Mittlerweile übernehmen auf Kosten der BASF zwei neue in mittelgroßer Tiefe (50m) angelegte Brunnen die Versorgung mit Wasser an Stelle des deponienächsten förder-reduzierten Tiefenbrunnens (140m) im Wassergewinnungsgebiet Süd. Die SWS stünden in ständigem Erfahrungsaustausch mit den Verantwortlichen der BASF zur Thematik und begrüßten die Erweiterung des Monitorings. Man selbst führe regelmäßig Roh- und Reinwasseruntersuchungen im Bereich des Wasserwerkes durch, um einen etwaigen Schadstoffeintrag frühzeitig zu ermitteln. Das Thema Wasserwirtschaft werde über Jahrhunderte eine zentrale Position einnehmen, bekräftigte Bühring.  Alle verantwortlich Tätigen seien angehalten ihr Bestmögliches zu tun. "Wir werden in Hab-Acht-Stellung bleiben, damit der Worst-Case nicht eintreten kann." (cm/Foto:privat)









 

 

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