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Ort der Begegnung und des Dialogs: Speyerer Synagoge sichtbares Zeichen für große jüdische Tradition (MIT FOTOSERIE)
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SPEYER | Uebersicht Speyer
Donnerstag, den 10. November 2011 um 04:33 Uhr

Mittags werkelten noch Handwerker, gaben Maler den letzten Anstrich, so dass es bei der Einweihungsfeier der Speyerer Synagoge intensiv nach frischer Farbe roch. Auch das Außengelände ist noch nicht ganz fertig, aber trotzdem ist die jüdische Gemeinde wieder sichtbar zurück im Speyerer Leben. Genau 73 Jahre nach der Zerstörung des alten Gotteshauses durch die Nationalsozialisten hat die traditionsreiche SchUM-Stadt (Nach ihren hebräischen Anfangsbuchstaben bezeichnet man die Städte Speyer, Worms und Mainz als SchUM-Städte) eine neue Synagoge. Rund 120 offizielle Gäste und 50 Medienvertreter waren der gemeinsamen Einladung von Israel Epstein, Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, Ministerpräsident Kurt Beck und Oberbürgermeister Hansjörg Eger zur offiziellen Einweihung gefolgt.

 

ZUR FOTOSERIE

Israel Epstein zeigte große Freude über das Kommen zahlreicher Ehrengäste, darunter Bundespräsident Christian Wulff und der Generalkonsul des Staates Israel, Tibor Shalev-Schlosser. Epstein begrüßte die Gäste sehr herzlich und betonte, dass die Einweihung der Synagoge in Speyer nach der Einweihung der Mainzer Synagoge ein wichtiges Zeichen im Aufbau der SchUM-Städte sei und das Erscheinen der hohen Gäste die Verbundenheit mit diesem Teil deutscher Geschichte zeige. Er sprach auch die Hoffnung aus, dass das große jüdische Erbe der SchUM-Städte eines Tages als Weltkulturerbe Anerkennung findet. „Auch für die jüdische Welt gewinnt Speyer zunehmend an Bedeutung, was durch das Erscheinen von Rabbiner Pinchas Goldschmidt, dem Präsidenten der Konferenz Europäischer Rabbiner, bestätigt wird“, sagte Israel Epstein.
„Wir können in Rheinland-Pfalz froh und stolz sein, mit Speyer, Worms und Mainz drei bedeutende jüdische Zentren zu haben. Mit der heutigen Einweihung gibt es in allen drei SchUM-Städten wieder eine Synagoge“, sagte Ministerpräsident Kurt Beck und betonte zugleich, dass die Landesregierung den Bau aus voller Überzeugung gefördert habe. Gerade hier in Speyer werde deutlich, dass viele Leistungen aus verschiedenen Epochen ohne die jüdischen Bürgerinnen und Bürger nicht gewesen wären. Für die Landesregierung sei es ein wichtiges Ziel, die außergewöhnliche Bedeutung der drei SchUM-Städte durch ihre Anerkennung als Weltkulturerbe zu erhalten. Der Ministerpräsident kündigte an, dass im November in Mainz eine internationale Fachtagung stattfinden werde, die den Welterbeantrag mit vorbereite. „Der 9. November steht für das dunkelste Kapitel in der deutschen Geschichte. Die neue Synagoge in Speyer erinnert an die Vergangenheit, sie markiert aber auch einen Neuanfang. Ich wünsche ihr, dass sie eine würdige Glaubensstätte, aber auch ein Ort der Begegnung und des Dialogs sein wird“, so Ministerpräsident Kurt Beck.
Oberbürgermeister Hansjörg Eger nahm Bezug auf die große jüdische Tradition von Speyer und begrüßte den Willen der Kultusgemeinde, in Speyer Synagoge und Gemeindezentrum zu bauen und künftig von Speyer aus ihre Geschäfte zu führen. „Es ist bemerkenswert, dass die Jüdische Kultusgemeinde unserer Tage ganz in die Nähe der ursprünglichen Ansiedlung von jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern  im 11. Jahrhundert in Speyer zurückkehrt“, sagte Eger. Mit der Einweihung der Synagoge am historisch bedeutsamen Ort sieht er auch die große Chance, in der damals wie heute weltoffenen „freien Reichsstadt Speyer“ den konstruktiven Dialog mit der Bürgerschaft, den beiden großen christlichen Konfessionen sowie der jüdischen und der muslimischen Bevölkerung zu entwickeln.
Zur Synagogeneinweihung kam auch der mittlerweile 80-jährige Jack Mayer mit seiner Gattin  aus den USA, ein Zeitzeuge des Holocaust. Mayer, 1930 in Speyer geboren, war im Frühjahr 1938 zusammen mit seiner Mutter und dem älteren Bruder vor der immer vehementer werdenden Judenverfolgung der Nationalsozialisten in die USA geflohen. Es war sein ausdrücklicher Wunsch, zur Synagogenweihe nach Speyer zu kommen.

Die ehemalige St.-Guido-Kirche ist nach den Plänen des Frankfurter Architekten Alfred Jacoby in Anlehnung an den puristisch-funktionalen Bauhausstil umgebaut worden. Die vorhandene Bausubstanz des leerstehenden Gotteshauses blieb dabei teilweise erhalten und wurde durch einen ovalen Anbau ergänzt. Die Synagoge verfügt über einen Gebetsraum in Ellipsenform, der rund 110 Gläubigen Platz bietet, und ein Gemeindezentrum. Die Baukosten betragen rund 3,5 Millionen Euro, die zu zwei Drittel das Land Rheinland-Pfalz und die Stadt Speyer tragen.
Insgesamt leben in Rheinland-Pfalz 3.300 jüdische Bürgerinnen und Bürger. Die jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz hat 650 Mitglieder. (spa/Foto: Voss)