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Ein "Kölle Alaaf" kurz vor dem Abflug - Sechs Kosmonauten berichten im Technik Museum Speyer von den Missionen MIR '92 und MIR '97
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SPEYER | Uebersicht Speyer
Dienstag, den 21. März 2017 um 12:08 Uhr

Es ist schon erstaunlich, wie unverfroren auch Qualitätsfernsehen manchmal agiert. Als Reinhold Ewald Anfang März 1997 von seinem Aufenthalt auf der MIR zurückkehrte und sicher auf der Erde gelandet war, durfte er gerade mal aus seiner Kapsel aussteigen, einmal kurz durchatmen und bekam dann von ARD und RTL ein Mikrofon vor die Nase gehalten. Ob er sich eine solche Mission noch mal antun wolle, wurde der erschöpfte Mann gefragt. Das wisse er derzeit noch nicht, war die Antwort. Solche und andere Szenen rief am Samstag die Veranstaltung des Technik Museums Speyer in Erinnerung, die an die beiden Expeditionen MIR '92 und MIR '97 zur russischen Raumstation erinnerte.

Sie jähren sich 2017 zum fünfundzwanzigsten bzw. zwanzigsten Mal. Bei beiden Raumflügen war ein deutscher Astronaut mit dabei: 1992 war es Klaus-Dietrich Flade, 1997 Reinhold Ewald. Sie und die Kosmonauten Sergej Krikaljow, Alexander Kaleri, Wassili Zibljew und Alexander Lasutkin blickten noch einmal auf die Ereignisse von damals zurück. Mit Berichten aus der tagesschau und Bildern wurden die beiden Missionen dem Publikum näher gebracht. Die Mir war seinerzeit das größte künstliche Objekt im Erdorbit.
Die deutsche Regierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl und die russische Regierung vereinbarten die deutsch-russische Weltraumreise-Kooperation. Die MIR war 1986 mit einem Modul gestartet. Im Lauf der Jahre wurde sie erweitert. Flade musste sich eineinhalb Jahre auf den Raumflug vorbereiten. Der erste deutsch-russische Raumflug diente dem Zweck, medizinische Daten zur Auswirkung der Schwerelosigkeit zu sammeln. Rußland brauchte dringend die 20 Mio. D-Mark, die sie für die Mitreise eines deutschen Astronauten bekam. Mit 20 Mio. PS Schubkraft starteten Flade, Sergej Krikaljow und Alexander Kaleri am 17. März 1992 ins All, wo sie mit einer Reisegeschwindigkeit von 28.000 km/h unterwegs waren.
Flade und Ewald schilderten ihre Eindrücke von der Expedition. "Man hat Respekt vor dem was vor einem liegt, aber das Training mit den Russen ist so real, dass man die Frage nach der Angst sechs Wochen vorher geklärt haben muss, sonst sollte man nicht einsteigen", sagt Flade. Der ausgebildete Kampfpilot wurde nach seinem Weltraumflug von einem Russen gefragt, ob er nicht dessen Hubschrauber fliegen wolle. Flade flog dann nach Arkalyk, womit er bewies, dass er auch einen Space Shuttle hätte fliegen können. "So eine Aktion wäre in den USA unmöglich gewesen." Reinhold Ewald war an der MIR '97-Mission beteiligt. Kurz vor seinem Abflug wurde er und seine Kollegen Wassili Zibljew und Alexander Lasutkin interviewt - die Kosmonauten und die Journalisten waren, weil sich die Raumfahrer in Quarantäne befanden, durch eine Fensterscheibe getrennt.
Sehr amüsant ist auch die Geschichte, dass Ewald, ein Rheinländer, vor dem Abflug noch "Kölle Alaaf" gerufen hat - es war Rosenmontag. Er war Mitglied der 23. Mission zur MIR, die in zwei Tagen erreicht wurde. Weniger erfreulich war, dass ein Luftfilter in Brand geriet. Eine Sauerstoffpatrone hatte sich zu stark erhitzt und war in Brand geraten; die Kosmonauten mussten sich Gas- und Staubschutzmasken aufsetzen und defekte Segmente abkoppeln. Sergej Krikaljow erinnerte daran, dass man auf der MIR auch löten musste. "In der Schwerelosigkeit hatte das aber noch niemand gemacht." Lebensbedrohlich wurde die Lage, als der unbemannte Frachter Progress am 25. Juni 1997 mit dem wissenschaftlichen Modul Spektr kollidierte. Ein Loch in der Außenwand von Spektr hatte einen Luftdruckabfall in der Raumstation zur Folge, was die Kosmonauten zum Handeln zwang. Leitungen wurden durchtrennt und das Modul hermetisch abgeriegelt. "Nach 15 Minuten wären wir sonst gestorben", sagt Alexander Lasutkin. "Wichtig ist es, in einer solchen Situation ruhig zu bleiben und richtig zu handeln."
Flade richtet abschliessend einen Appell an das Publikum. "Wir müssen alle unser Mutterraumschiff Erde in einem guten Zustand erhalten und in diesem Zustand auch an unsere Kinder weitergeben. Im März 2001 wurde die MIR aus ihrer Umlaufbahn geholt und durch ihren Eintritt in die Atmosphäre zerstört. Der Verlust der MIR ist eine nationale Tragödie für Rußland, sagen die russischen Kosmonauten. Die Amerikaner waren nicht glücklich damit, dass die russische Station um die Erde kreiste und forderten ihre Zerstörung. Am Ende beantworten die Kosmonauten noch Fragen aus dem Publikum. Schon in drei Wochen kommt der nächste Kosmonaut nach Speyer: am 8. April berichtet Alexei Leonow im Technik Museum Speyer von seiner Expedition in den Weltraum 1965 und 1975 und von seinem Einsatz im All. (chs/Fotos:chs)             

     
 

 

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