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"Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt entscheidende Aufgabe" - Bernward Hellmanns übergibt Verantwortung für Flüchtlingshilfe im Bistum Speyer an Gisela Fixemer-Reiland
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GESELLSCHAFT UND KIRCHE | AUS DEN KIRCHEN
Mittwoch, den 29. März 2017 um 09:56 Uhr
13 Jahre lang war Bernward Hellmanns Referent für Migration und Integration beim Caritasverband für die Diözese Speyer. Er übergibt nun den Staffelstab an Gisela Fixemer-Reiland. Im Gespräch erläutern beide, wie sich ihre Arbeit seit dem großen Flüchtlingszustrom geändert hat, was die kirchliche Flüchtlingshilfe erreicht hat und welche Schritte nun zu gehen sind.

Herr,Hellmanns, 46 Haupt- und rund 2000 Ehrenamtliche engagieren sich im Bistum in der Flüchtlingshilfe, zwei Millionen Euro stehen aus dem Bischöflichen Hilfsfonds für die Flüchtlingshilfe bereit, über die Hälfte wurde bereits investiert. Wie würden die Pfalz und das Saarland heute ohne kirchliche Flüchtlingshilfe dastehen?
Bernward Hellmanns: Die katholische Flüchtlingshilfe hat einen erheblichen Teil dazu beigetragen, Flüchtlinge aufzufangen, zu begleiten und zu integrieren. Natürlich haben auch Bund, Länder und Kommunen viel geleistet. Doch auch beide Kirchen engagieren sich mit einem hohen personellen und finanziellen Einsatz. Wir sind so unserem Anspruch "Not sehen und handeln" nachgekommen und haben ein Ausrufezeichen gesetzt.

Können Sie ein paar konkrete Beispiele nennen, die das verdeutlichen?
Hellmanns: Wir sind in zwei Bereichen sehr stark eingestiegen, zum einen in der Asylverfahrensberatung: In den Aufnahmestellen werden Flüchtlinge beraten, wie das hochkomplexe Asylverfahren in Deutschland abläuft. Zweitens wurden neue Personalstellen für Ehrenamtskoordinatoren geschaffen, die in Städten und Landkreisen die Ehrenamtlichen begleiten und fortbilden.

Wie hat sich Ihre Arbeit seit dem großen Flüchtlingszustrom vor zwei Jahren verändert?

Gisela Fixemer-Reiland: Meine Aufgabe im Caritas-Zentrum Kaiserslautern bestand darin, erwachsene Migranten und Flüchtlinge bei Alltagsproblemen zu unterstützen und zu begleiten. Dazu zählte der Umgang mit Behörden, Kindergarten- und Schulplätze für ihre Kinder zu finden, Patenschaften und Sprachkurse zu vermitteln sowie bei der Berufs- und Zeugnisanerkennung zu helfen. Als die große Flüchtlingswelle 2014 einsetzte, nahm die Zahl der Beratungen um 50 Prozent zu. Der Beratungsschwerpunkt lag nun in der Unterstützung bei Familienzusammenführung. Nicht zuletzt haben wir auch Flüchtlinge beraten und intensiv begleitet, die durch Kriegs- und Fluchterfahrung oder durch die Trennung von der Familie psychisch stark belastet sind. Wir Mitarbeiter wurden stark gefordert und mit Themen konfrontiert, die man erst einmal selbst verarbeiten muss, wie interkulturelle Unterschiede, psychische Probleme, Sprachenvielfalt und komplexe Fragen des Asylrechts, des Flüchtlingsschutzes oder gar der Abschiebung. Früher habe ich mich stärker im EU-Recht bewegt. Jetzt musste ich mich intensiver mit Fragen zum Ausländer- und Asylverfahrensrecht beschäftigen und eng mit Anwälten zusammenarbeiten.

Gab es in dieser Zeit Strukturen, auf die Sie setzen konnten?
Hellmanns: Die neuen Kollegen konnten an die Caritas-Zentren und die dort bestehenden Fachdienste für Migration und Integration gut andocken. Wir hatten – wenn auch überschaubar – Gruppen im Ehrenamtsbereich. Auch das war ein Anknüpfungspunkt. Gut funktioniert hat auf Bistumsebene der schnelle Aufbau von Strukturen im Ordinariat, beim Malteser-Hilfsdienst, bei anderen Verbänden wie Kolping, der Katholischen Frauengemeinschaft, dem Bund der Katholischen Deutschen Jugend und der Katholischen Erwachsenenbildung. Alle Beteiligten arbeiten so gut zusammen - das gab es zuvor in dieser Dichte und Kontinuität nicht.
Durch die Flüchtlingszahl ist auch die Nachfrage nach Schwangerschaftsberatung sehr stark angewachsen. Durch die Gelder des Flüchtlingshilfefonds konnten wir dort zusätzliche Stellen einrichten. Die sehr frühzeitige Einrichtung der Task Force Flüchtlingshilfe ist für mich der entscheidende Punkt für eine erfolgreiche Flüchtlingshilfe auf der Bistumsebene. Die Task Force koordiniert die Hilfsangebote für Flüchtlings des bischöflichen Ordinariats, des Caritasverbandes, des Malteser-Hilfsdienst und aller anderen Beteiligten. Wir sind mit dieser Struktur sehr gut aufgestellt.

Beim Referenten für Migration und Integration laufen alle Fäden zusammen, aber wie sieht Ihre Arbeit konkret aus?

Hellmanns: Kurz gesagt: Fortbildungen auf die Beine stellen, Fachkonferenzen ausrichten, neue Themen erkennen, aufgreifen und an die Zuständigen weiterleiten, beim Land und bei Kommunen gemeinsam nach Lösungen suchen, Projektanträge stellen, mit neuen Mitarbeitern in Kontakt bleiben, sich austauschen.
Fixemer-Reiland: Mit unserem Erfahrungsschatz und unserem Wissen können wir neuen Kollegen Unterstützung und Austausch bieten. Darüber hinaus prüft das Fachreferat Anträge für den Flüchtlingshilfefonds und leitet diese zur abschließenden Prüfung an die Verbandsleitung weiter. Diese Gelder fließen in die Caritas-Zentren, um Flüchtlinge bei der Familienzusammenführung zu unterstützen oder um Sprachkurse zu finanzieren.

Welche Rolle spielt Kirchenasyl? Wie viele Menschen befinden sich derzeit im Bistum in Kirchenasyl?
Hellmanns: Die Frage nach Kirchenasyl war in unserem Bistum lange eine eher wenig beachtete Diskussion. Erst seit drei, vier Jahren gibt es einen zunehmenden Austausch mit dem Ordinariat und vielen Pfarreien. Im letzten Jahr wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die erste Empfehlungen erarbeitet hat und Pfarreien berät, die über Kirchenasyl nachdenken. Wichtig ist, dass Kirchenasyl kein Allheilmittel, keine zusätzliche Instanz ist. Es kann nur für sehr zugespitzte und schwierige Einzelfälle in Frage kommen. Bevor in einer Pfarrei für einen Flüchtling Kirchenasyl erwogen wird, muss intensiv geschaut werden, ob es andere Möglichkeiten des Schutzes für die Betroffenen gibt. Selbstverständlich stehen unsere Fachdienste auch zu einer solchen Beratung zur Verfügung. Im Moment befindet sich unserer Information nach bistumsweit niemand im Kirchenasyl in einer katholischen Pfarrei.

Das Zusammentreffen von kirchlich engagierten Ehrenamtlichen und Flüchtlingen ist in der Regel ein Zusammentreffen von Religionen. Wie vertragen sich Islam und Christentum in der Flüchtlingsarbeit?
Fixemer-Reiland: Ich habe noch nicht erlebt, dass Flüchtlinge verschlossen sind. Im Gegenteil, ich sehe es als Bereicherung, als gegenseitiges Kennenlernen und Aufeinanderzugehen. Im christlichen wie im muslimischen Glauben gibt es gemeinsame Grundzüge, deutliche Parallelen wie Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Nur wir wissen voneinander zu wenig.

Stichwort Sorgen und Ängste: Wie wichtig ist der Dialog mit Bürgern?
Hellmanns: Das ist ein entscheidender Punkt. Wir als katholische Kirche und Caritas-Verband nehmen die Ängste und Befürchtungen vieler Einheimischer ernst und suchen den Austausch. Integration ist auch nicht ohne Konflikte und Reibungen möglich. Andererseits tolerieren wir keine rechtsextremen und fremdenfeindlichen Positionen und Aktivitäten – dazu haben auch die Bischöfe deutlich Position bezogen.
Fixemer-Reiland: Als Sprecherin des Netzwerks Migration und Integration in der Stadt und dem Landkreis Kaiserslautern habe ich die Einheimischen über die Flüchtlingsarbeit und vor allem die Flüchtlingsberatung der Caritas aufgeklärt. Damit sollten den Menschen ihre Ängste und Sorgen genommen und eine Willkommenskultur gefördert werden. 

Was sind die nächsten wichtigen Schritte, um die Integration voranzutreiben?
Fixemer-Reiland: Jetzt geht es um Integration in den Arbeitsmarkt. Dabei stehen wir vor der Herausforderung, Unternehmen zu sensibilisieren, damit sie Arbeitsplätze für Flüchtlinge zur Verfügung stellen. Berufliche Tätigkeit ist wichtig für Flüchtlinge, damit sie sich hier angenommen fühlen und sich integrieren.

Information:
Bernward Hellmanns war vor seiner Tätigkeit als Referent für Migration und Integration beim Caritasverband für die Diözese Speyer im Caritas-Zentrum Saarpfalz als stellvertretender Leiter und in der Flüchtlingsberatung tätig. Zum April wechselt der 56-Jährige zum Caritasverband für die Diözese Trier. Er übernimmt die Geschäftsführung der Caritas-Landeskonferenz für das Saarland und ist gleichzeitig im Referat Migration des Verbandes tätig. 
Gisela Fixemer-Reiland ist bereits seit Herbst 2016 mit einer halben Stelle im Referat Migration und Integration beim Caritasverband für die Diözese Speyer beschäftigt und übernimmt ab Mai die volle Stelle. Die 56-Jährige war seit 1984 im Caritas-Zentrum Kaiserslautern tätig, zunächst in der Wohnungslosenhilfe, seit 1995 in der Migrationsberatung. (spa/Foto.privat)
 

 

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