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"Meine Revolution liegt in der Musik": Musikerlegende Mani Neumeier im Gespräch
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SPEYER | Kultur Speyer
Sonntag, den 16. September 2018 um 10:36 Uhr

Mani Neumeier gilt als der beste Schlagzeuger und Percussionist Deutschlands und gehört auch weltweit zur Elite seiner Zunft. Gleich zweifach hat er  Musikgeschichte geschrieben, denn er ist gemeinsam mit dem Bassisten Uli Trepté und der Pianistin Irène Schweizer Mitbegründer des "Euro-Freejazz". Mit der Band "Guru Guru, die seit 50 Jahren die Fans ambitionierter Rockmusik begeistert, hat er 1968 den "Krautrock" kreiert, ein Musikstil frei von Konventionen, der auch international als Ausdruck kreativer Deutscher Rockmusik hoch geschätzt ist.

"Ein Schlagzeuger der Extraklasse, Freejazz-Pionier, Multikultivisionär, wagemutiger Klangforscher, musikalischer Weltreisender, Schamane und grenzüberschreitender Entfanterrible der zeitgenössischen Musikszene", charakterisierte die "Frankfurter Rundschau" ihn. Das kann man nur unterschreiben.  
speyer-aktuell Chefredakteur Klaus Stein traf die Musikerlegende vor dem Konzert von "Guru Guru" im Rahmen des Speyerer Gitarrensommers am Freitag in der Heiliggeistkirche.
Mani Neumeier kommt aus einer musikalischen Familie am Starnberger See in der Nähe Münchens. Umso erstaunlicher ist, dass seine erste künstlerische Liebe dem Theater galt: "Erst mit 16 habe ich mich der Musik zugewandt, inspiriert durch Louis Armstrong, dem großen US-Amerikanischen Jazzmusiker."
Gemeinsam mit Irène Schweizer und Uli Trepté gab Neumeier in den 60ern seine Arbeit auf und stürzte sich ins Profi-Musikerleben. "Wir wollten die Freiheit, jenseits der konventionellen Harmonieschemen mit aufgelösten Rhythmen Musik machen", so Neumeier. In den Jazzclubs der europäischen Metropolen wurden sie schnell zum Inbegriff des Freejazz, spielten mit vielen Größen des Genres: "Ich war der erste Drummer überhaupt, der frei spielte", so Neumeier.
Es war Jimi Hendrix, dessen Kunst Neumeier und Trepté so beeindruckte, förmlich "flashte", dass sie sich der elektrisch verstärkten Rockmusik zuwandten und 1968 "Guru Guru Grooves" gründeten. "Das mit dem 'Grooves' ließen wir bald weg, nannten uns nur noch ‚Guru Guru‘. Mit dem Namen war etwas Spott verbunden auf die Beatles, die in dieser Zeit bei indischen Gurus zu sich selbst finden wollten - das hatten wir nicht nötig."
Auch mit der neuen Formation wollten die Beiden musikalische Konventionen auflösen, stießen aber an Grenzen: "Mit zwei Marshall-Türmen auf der Bühne war es vorbei mit dem freien spielen, das geht elektrisch nicht", beschreibt Neumeier den Unterschied zu dem, was sie zuvor gemacht hatten.
"In den 50 Jahren Bandgeschichte haben wir alles ausprobiert und in unsere Musik integriert." Musikalische Inspirationen bekamen Guru Guru beispielsweise von "Pink Floyd", mit denen sie beim legendären Open Air Festival "2. British Rock Meeting" auf der Germersheimer Insel Grün auftraten, oder auch "The Who". Neue Impulse brachten auch neue Gitarristen in die Band ein, die immer mal wechselten: "Ich lasse den Bandmitgliedern viele Freiheiten." Das aktuelle Jubiläums-Album "rotate" sei ein Querschnitt dessen, was "Guru Guru" in dem halben Jahrhundert ihres Bestehens gemacht hätten.
Auf allen Kontinenten hat "Guru Guru" gespielt. Japan nimmt dabei eine Sonderstellung ein, denn alleine 17 Mal bereisten sie das Land der aufgehenden Sonne. Dort hat Mani Neumeier auch seine Frau kennen- und lieben gelernt: "Zählen wir in Europa zu den Avantgardisten, so sind wir in Japan höchstens 'Middle of the Road', so verrückte Sachen machen die dort." "Guru Guru" bedeute auf Japanisch im Übrigen  "rotieren", weshalb das Jubiläumsalbum "Rotate" heiße.
"Unbändige Freiheit ist toll, aber wir wollen nicht an den Leuten vorbei spielen", stellt der Künstler klar. Natürlich sei er auch irgendwie politisch links, etwas anderes könne man ja  nicht sein, aber er habe nie Parolen oder Fahnen ausgepackt: "Meine Revolution liegt in der Musik."
Auch mit fast 78 Jahren ist Mani Neumeier topfit, baut sein Schlagzeug, unterstützt von seiner Frau, immer noch selbst auf: "Ich mache keinen Sport und brauche keine Tabletten!" Da sitzt einem tatsächlich kein alter Mann gegenüber sondern ein Mensch, dessen Augen hell blitzen, der in sich ruht und daraus seine kreative Kraft bezieht.
Zwar schaue er sich im Fernsehen schon mal den Tatort an, aber das Zentrum seines Lebens sei die Musik.
Gerne würde er noch an einigen besonderen Plätzen spielen wie beispielsweise der "Royal Albert Hall" in London. Auch eine Platte, bei der man sich mehr Zeit nehme als bei der letzten, sowie ein Buch mit dem Titel "Mani Neumeier und der Guru Guru Groove" mit vielen Fotos stehen auf seiner "Todo-Liste".
Auftritte bei Großveranstaltungen wie "Rock am Ring" brauche er nicht mehr, denn da stehe der Kommerz im Vordergrund, einem Diktat, dem er sich niemals gebeugt habe. "Ich brauche keine Millionen aber ich wünsche mir, dass wir immer genügend Publikum haben."
So viel Publikum wie beim diesjährigen "Finki", einem Open Air Festival, das Guru Guru gemeinsam mit der örtlichen Feuerwehr seit mehr als 40 Jahren im 500-Seelen-Dorf Finkenbach im Odenwald veranstaltet und das zum Mekka für Krautrock-Fans geworden ist. (Foto: Osche/ks)

 

 

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