Von Michael Stephan

Mächtige Bergrücken und endlose Wälder, funkelnde Seen und wilde Tiere. So präsentiert sich der Bayerische Wald seit Hunderten von Jahren im Osten Bayerns an der Grenze zu Tschechien und Österreich. Das Grüne Dach Europas ist Heimat für seltene Tiere wie Luchs und Fischotter. Urlaubsregion für Menschen aus aller Welt und Schmiede einer zerbrechlichen Kunst. Die über 700-jährige Tradition der Glasherstellung ist im Bayerischen Wald heute noch präsent.

Entdecke Bayerisch-Kanada

Der Flusswanderweg verläuft durch das wildromantische Regental und größten Teils in unmittelbarer Nähe des Schwarzen Regen. Ab Teisnach führt die Tour zunächst ohne große Anstiege bis nach Gumpenried. Weiter flussabwärts bieten sich faszinierende Ausblicke auf das idyllische Tal des Schwarzen Regen. In Teilstrecken zieht sich der Weg in die Talauen und Hangwälder, vorbei an vielen kleinen Ortschaften. Kurz vor der Schnitzmühle macht der Pfad einen Schlenker in das beschauliche Liebestal mit dem Flüsschen Aitnach. Die letzten Kilometer führen weiter nach Viechtach. Genau hier, wo sich die unberührte Naturschönheit des Regentals präsentiert ist die Waldbahn auf der Linie 4 unterwegs. Auf einer der schönsten Bahntrassen Deutschlands schlängelt sich der der Zug durch den Wald unmittelbar entlang des Flusses.

Der Große Pfahl – ein Naturdenkmal mit vielen Gesichtern

Der Pfahl ist eines der faszinierendsten Naturdenkmale in Ostbayern. Als weltweit berühmtes Zeugnis unserer erdgeschichtlichen Vergangenheit erstreckt er sich in fast schnurgerader Richtung über mehr als 140 Kilometer vom Naabtal in der Oberpfalz bis nahe Linz in Österreich. Über viele Jahrhunderte blieb der Entstehung des eigenartigen weißen Felsengebildes den Menschen unerklärlich. Sagen und Mythen erzählten vom Werk des Teufels, der unter den gewaltigen Felsen kristallene Schätze verbirgt, oder sie deuten den Pfahl als versteinerten Kamm eines riesigen Drachens, der in der Erde ruht. Heute weiß man längst, dass der Pfahlquarz vor vielen Millionen Jahren als Folge von geologischen Prozessen im Erdinneren entstand und durch Verwitterung und Abtragung angrenzenden Gesteins freigelegt wurde. Quarz („Kieselsäure“) ist eines der häufigsten und erstaunlichsten Minerale der Erde. Seine Härte und chemische Widerstandskraft machten ihn seit jeher als Werkstoff für verschiedenste Zwecke – z. B. bei der Glasherstellung – begehrt. Die bizarr geformten weißen Felsriffe dienten nicht nur den Menschen als erhobener und schwer einnehmbarer Bauplatz für ihre Burgen, sondern sie haben bis heute eine große Bedeutung als Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere. Gehen Sie am Großen Pfahl in Viechtach auf Entdeckungsreise und lassen Sie sich beeindrucken, welche bezaubernden Wunder Mutter Natur für Sie bereithält.

„Gläserne Scheune“ – im Reich des Königs von Raubühl

Wie das Pfefferkuchenhaus im Märchen taucht die „Gläserne Scheune“ unvermittelt aus den Wiesen und Wäldern des Viechtacher Umlandes auf. Im Turm sitzt der „Raubühler Riese“. Es sei lange her, dass er die Region bewohnt habe, erzählt Künstler Rudolph Schmid mit einem verschmitzten Augenzwinkern. Heute lädt uns der „König von Raubühl“ – so nennt ihn Tochter Barbara Thöner scherzhaft in der gleichnamigen Biographie – in sein Reich ein. Wer ihn so erlebt, möchte nicht vermuten, dass Schmids Werdegang zunächst unter keinem glücklichen Stern stand: Als eines von zehn Kindern wuchs der gebürtige Deggendorfer in bitterer Armut auf. Trotz der prekären finanziellen Situation begann Schmid 1952 eine dreijährige Ausbildung an der Glasfachschule in Zwiesel und schloss diese erfolgreich ab. In den Folgejahren war er in verschiedenen Betrieben tätig, die mal mehr, mal weniger mit dem Glashandwerk zu tun hatten. 1977 übersiedelte er zusammen mit seiner Frau Margarete und den drei Kindern nach Viechtach, wo sie einen alten Bauernhof erwarben. Dieser wurde dann im Familienverbund erweitert und etablierte sich schließlich als einzigartiges Gesamtkunstwerk. 200 Quadratmeter bemalte Glasfläche illustrieren heute die Geschichte des Räubers Heigl, die Weissagungen des Propheten „Mühlhiasl“, das Aufstreben des Silberbergdorfes Bodenmais durch Glasmacher Franz Austen sowie einige Stationen aus dem Leben Franz von Assisis. Von oben beobachtet der Glashüttengeist „Durandl“ in hölzerner Form das Geschehen. Obwohl der über 80-jährige seinen Ruhestand bereits vor Jahren verkündet hat, scheint ihm die Untätigkeit nicht zu liegen. Sein aktuelles Bauprojekt, nur einen Steinwurf von der „Gläsernen Scheune“ entfernt, ist ein Ausstellungspavillon, der auf 19 mal vier Metern Glas das spanische Heldenepos „El Cantar de mio Cid“ erzählt. In dessen Zentrum steht der kastilische Ritter Rodrigo Diaz de Vivar. Auf die Frage hin, wie El Cid nach Raubühl passe, antwortet Schmid: „Alles, was Spanisch ist, geht mir unter die Haut“.

Burgruine Neunussberg und Burgfestspiele

Burgfrauen, Ritter, Gaukler und Herzöge tummeln sich am Burganger. Im Juli und August herrscht jedes Jahr mittelalterliches Treiben, denn seit mehr als 30 Jahren bildet der Böckleraufstand von 1468, als sich die Bayerwaldritter gegen die Erzherzog Albrecht IV, von Bayern erhoben, die Grundlage für das Freilicht-Spektakel der Burgfestspiele Neunussberg. Doch auch zu jeder andern Jahreszeit lohnt sich ein Besuch der Burgruine. Auf einer 696 m hohen Bergkuppe erhebt sich über dem romantischen Regental der Burgturm. Erbaut wurde die Anlage 1309 von Konrad dem Nussberger. Die kleine Schlosskapelle St. Michael liegt am Fuße des ehemaligen Bergfrieds. Auch Teile der Ringmauer und der Burgbrunnen haben die stürmischen und rauen Jahre des Mittelalters überlebt.

Burghotel Sterr – herrliche Aussichten

Mit traumhaften Blick in die unberührte Natur residiert am Fuße der Burgruine Neunussberg in Viechtach das familiär geführte „Hotel & Chalets Sterr“. Eine Verwöhnadresse von unerwartet mediterranen Auftritt. Ein eigenes Bergdorf mit Luxus-Chalets und eine vorzügliche Küche sind dabei nur zwei von zahlreichen Trümpfen.

Infos:

  • Touristisches Service Center Arberland, Amtsgerichtsstr. 6-8, 94209 Regen; Tel. 09921 9605 -2100, www.arberland.de
  • Tourist Info Viechtach, Stadtplatz 1, 94234 Viechtach; Tel. 09942 -1661; www.viechtacher-land.de
  • Gläserne Scheune: Raubühl 3, 94234 Viechtach; Tel. 09942-8147; www.glaeserne-scheune.
  • Hotel & Chalets Sterr, Neunussberg 35, 94234 Viechtach; Tel. 09942 – 8050; www.burghotel-sterr.de
  • Hinkommen: mit dem Auto: Nürnberg-A 3 über Regensburg, Ausfahrt Bogen über St. Englmar nach Viechtach
  • Mit der Bahn: Von Plattling über Gotteszell nach Viechtach

Der Pfahl

In weißer Zauberstunde, Erstarrt im Sternenschein, Gleißt überm Tannengrunde Der Weiße Stein

In übermoosten Tiefen drängt aus dem Felsenschacht als wenn ihn Sterne riefen der Quarz mit aller Macht

Er dringt durch Felsenwände Von Inbrunst ganz erfüllt dass sich in ihm vollende Das Sternenbild

In seligen Erinnern An das bestimmte All Wächst tief im Felseninnern – Der Quarzkristall

(Siegfried von Vegesack)