Inklusion einfach machen – ganz praktisch und ohne große Vorbereitung. Barrieren real und in den Köpfen abbauen: Diese Ziele verfolgen die neuen Inklusionskisten, die die Abteilung Seelsorge für Menschen mit Behinderung jetzt im Bistum Speyer anbietet.

„Die Kisten beinhalten Bausteine für mehr Inklusion, die man unkompliziert und ohne großen Aufwand anwenden kann“, erläutert Projektleiterin Katharina Kintz. Insgesamt stehen fünf Kisten zur Verfügung. Jede Kiste umfasst zehn Bausteine. Die Kiste „Inklusion und Liturgie“ gibt Anstöße, wie Gottesdienste, Katechesen und liturgische Feiern inklusiv gestaltet und erlebt werden. „Inklusion und Bildung“ regt zum Austausch über Behinderung und Inklusion an, informiert über Teilhabe und zeigt, wie man mit beeinträchtigten Menschen respektvoll umgeht. In der Kiste finden sich auch Hinweise zu barrierefreien Bildungsangeboten. In der Kiste „Inklusion und Verwaltung“ stecken Infos zur Barrierefreiheit von Gebäuden samt Finanzierungstipps.

„Inklusion und Öffentlichkeitsarbeit“ macht unter anderem deutlich, wie barrierearme Pfarrbriefe, Webseiten und Pfarrfeste aussehen. „Inklusion und Erleben“ bietet inklusive Spiele wie ein Tast-Memory und gibt Menschen ohne Handicap die Chance, sich in beeinträchtigte Menschen einzufühlen und zu denken. Möglich wird das mit speziellen Brillen, die Sehbeeinträchtigungen simulieren. Am Beispiel aus Landau schildert ein Kisten-Baustein, wie eine inklusive Sternsingeraktion funktioniert.

Alle Bausteine sind direkt umsetzbar. Sie wollen zeigen, dass auch an kleinen Stellschrauben gedreht werden kann, um mehr Inklusion zu erreichen. Sie wollen Unsicherheiten gegenüber Menschen mit Behinderungen begegnen und das Bewusstsein für ein Miteinander schärfen. Katharina Kintz ist überzeugt, dass viele Akteure bereits unbewusst inklusiv handeln. Fragebögen und Selbsttests in den Inklusionskisten dienen dazu, dieses Handeln bewusst zu machen. Die Projektleiterin hofft außerdem, dass die Inklusionskisten zum Austausch zwischen Pfarreien anregen.

Die Seelsorge für Menschen mit Behinderung verleiht die Kisten bistumsweit an Pfarreien, Institutionen und Verbände und alle anderen Interessierten. „Das Angebot ist offen für alle“, betont Projektleiterin Kintz. Viele Bausteine seien im Hinblick auf Barrierefreiheit und Teilhabe in Kirche erstellt worden, aber es gebe ebenso viele allgemeine Anregungen.
Neugierigen stellt sie die Inhalte der Kisten gerne persönlich vor. Beim Katholikentag am 15. September präsentiert das Team an seinem Stand das Projekt. „Jeder kann in die Kisten hineinschauen und Dinge ausprobieren“, verspricht Katharina Kintz.

Sie brachte die Idee „Inklusionskisten“ aus dem Bistum Limburg mit. Mit ihren Teamkollegen passte sie die Inhalte für das Bistum Speyer an, unter anderem das Vaterunser in der so genannten lautsprachbegleitenden Gebärdensprache, bei der gleichzeitig gebärdet und gesprochen wird. So können Hörende und Nichthörende gemeinsam beten. Die Besonderheit dieses Vaterunsers im Bistum Speyer: Die Gebärden reihen sich fließend aneinander, sind poetisch, wie ein Gedicht, das mit den Händen gesprochen wird. Entwickelt hat dies die Gehörlosengruppe in Homburg. In der Kiste „Liturgie und Inklusion“ liegt dieses Vaterunser auf einer CD bei.

Die Inhalte sollen sich immer weiter entwickeln, denn auch das Thema Inklusion ist stark in Bewegung. Vorschläge und Anregungen erhofft sich die Seelsorge für Menschen mit Behinderung von allen, die die Kisten nutzen. In jeder findet sich ein Rückmeldebogen, auf dem das Team um Bewertung und Ideen bittet.