CoLab gGmbH

Als „Fachkraftwerk“ bezeichnet sich die gemeinnützige GmbH CoLab, die in Speyer das Jugendcafé Mitte in der Ludwigstraße betreibt. Wichtigstes Ziel: Jugendlichen eine Perspektive geben, indem sie beispielsweise ausgebildet werden. Doch wäre in Speyer noch viel zu tun, erklärt Geschäftsführer Hansgerd Walch.

Jugendliche im Schulstreik, die freitags für mehr Klimaschutz demonstrieren: Um die geht es bei CoLab nicht. Sondern um die, welche man meistens nicht sieht. Die durch die Raster fallen. Die vielleicht mit Drogen in Kontakt geraten sind oder sogar eine Haftstrafe hinter sich haben. Die von zu Hause abgehauen sind und sich obdachlos durchschlagen. Wie kann man diese Jugendlichen erreichen, stabilisieren, ihnen eine Perspektive eröffnen? Dieser Aufgabe widmet die sich vor über 25 Jahren gegründete CoLab, eine gemeinnützige GmbH. CoLab steht für das lateinische colaborare, zusammenarbeiten. Die beiden Gründer-Gesellschafter führen auch ein IT-Unternehmen, das Lösungen zur IT-Sicherheit entwickelt und anbietet. Sie verstehen sich als engagierte Bürger, die versuchen, bei Jugendlichen aus dieser Zielgruppe Leistungsbereitschaft zu wecken, indem diese ernst genommen und dort abgeholt werden, wo sie stehen. Ging es anfangs um die Integration von Jugendlichen aus Russland, mit denen ein deutsch-russisches Webradio in Betrieb genommen wurde, sind die Aufgaben heute vielfältiger geworden. Integration und Sprachprobleme sind nur eine Facette.

Wie man diese Jugendlichen erreichen kann? Vertrauen und Respekt sind wichtig, erklärt der (ehrenamtliche) Geschäftsführer Hansgerd Walch. „Es geht um Jugendliche, die mit ihren Eltern nicht klar kommen, auf der Straße leben, Schulabbrecher, aber keine Straffälligen. Sie müssen schon etwas stabil sein.“ Das heißt, einen festen Wohnsitz sollten sie haben. Dann können sie von der CoLab zu IT-Fachleuten (Fachinformatiker und Systemkaufleute) ausgebildet werden. „Die können Netzwerke einrichten und Computer reparieren“, erläutert Walch. Die Ausbildung erfolgt in den Räumen der IT-Firma der beiden Gründer in Speyer. Die Jugendlichen erhalten auch eine kleine Ausbildungsvergütung. Derzeit sind fünf Jugendliche im Ausbildungsprogramm.

Gerne würde Walch mehr anbieten. Allerdings müsste die CoLab dafür einen Sozialarbeiter oder Streetworker beschäftigen. Dann könnte man ähnlich wie in Hessen vorgehen, wo die CoLab an zwei Standorten Außenwohn- und Arbeitsgruppen anbietet, die von Erziehern geleitet werden. Dort sind die Jugendlichen untergebracht und können beispielsweise einen Hauptschulabschluss absolvieren. „Wir haben enorme Anfragen“, sagt Hansgerd Walch. Aber ohne Sozialarbeiter kann die CoLab in Speyer keine Maßnahmen nach SGB 8 anbieten (Anm. d. Red.: Das Achte Sozialgesetzbuch umfasst die bundesgesetzlichen Regelungen, die die Kinder- und Jugendhilfe betreffen). Sozialarbeiter seien leider heute nicht leicht zu finden, erklärt der Geschäftsführer.

So konzentriert sich die Tätigkeit der CoLab in Speyer neben der Ausbildung auf das Jugendcafé Mitte. Hier können Jugendliche „abhängen“, Musik hören, im Internet surfen, Videos bearbeiten, eigene Songs produzieren oder an Projekten teilnehmen. Es gibt ein Veranstaltungsprogramm. Aber wichtiger ist es, Jugendlichen einen Ort zu bieten, wo sie sich ungezwungen unterhalten können, wo es auch Ansprechpartner für Probleme gibt, „wenn es mal klemmt“. Die Jugendlichen haben viele Herkünfte. Integration entsteht da sozusagen von selbst. Über das Jugendcafé Mitte wird in der nächsten Ausgabe ausführlicher berichtet.

Informationen: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.colab.de

„Unser Team sieht den Dienst am Menschen als Berufung. Jeder setzt sich 100% für das Wohl unserer "Schützlinge" ein. Viele unserer Mitarbeiter und Helfer arbeiten ehrenamtlich. Wir stehen mit voller Überzeugung hinter unserer Arbeit.“

CoLab-Gesellschafter Thomas Friedrich