Weniger Urlaubstage, gestrichene Zuschläge, Arbeit auf Abruf: Einem Großteil der rundWeniger Urlaubstage, gestrichene Zuschläge, Arbeit auf Abruf: Einem Großteil der rund550 Reinigungskräfte in Speyer drohen ab sofort massive Einbußen. Das berichtet dieGebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU – und ruft die Beschäftigten dazu auf, dieEinschnitte nicht hinzunehmen. „Aktuell legen viele Chefs ihren Mitarbeitern neueArbeitsverträge zu deutlich schlechteren Konditionen vor. Die sollte keinerunterschreiben“, warnt Rüdiger Wunderlich von der IG BAU Rheinhessen-Vorderpfalz

Sollten die Arbeitgeber bei dieser Praxis bleiben und die anstehendenTarifverhandlungen blockieren, dürfte die Reinigungsbranche einen „heißen Sommer“erleben. „Auch in Speyer könnten dann Schulen, Büros und Krankenhäuser schmutzigbleiben“, so Wunderlich. Die Friedenspflicht zwischen IG BAU und Arbeitgebern liefEnde Juli aus.

Zum Hintergrund: Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks hatden Rahmentarifvertrag für die Branche zum 31. Juli gekündigt. Bevor Gewerkschaftund Arbeitgeber am 15. August über einen neuen Vertrag verhandeln, sollen nachBeobachtung der IG BAU in der Zwischenzeit die Standards gedrückt werden. „Stattbisher 28 oder 30 Tagen Urlaub sollen Beschäftigte jetzt das gesetzliche Minimum von20 Tagen hinnehmen. Zuschläge für Überstunden oder besondere Aufgaben wie etwadie OP-Reinigung werden in den neuen Arbeitsverträgen eingekürzt oder ganzgestrichen“, berichtet Wunderlich. Besonders brisant: Geht es nach dem Willen einigerFirmen, dann sollen Beschäftigte, die bislang feste Arbeitszeiten hatten, künftig aufAbruf arbeiten.

„Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die ohnehin jeden Euro zweimal umdrehen müssen“, kritisiert die IG BAU. Gerade Frauen seien von den Kürzungen betroffen. Eine Reinigungskraft, die Vollzeit rund 1.300 Euro netto verdiene, habe schon jetzt große Schwierigkeiten, eine bezahlbare Wohnung zu finden. „Hinzu kommt: Ein Großteil der Beschäftigten hat nur einen Teilzeit- oder Minijob. Da wird es am Monatsende richtig eng.“

Die IG BAU Rheinhessen-Vorderpfalz ruft jetzt die Reinigungsfirmen in der Region auf, sich in ihrem Arbeitgeberverband für die Rückkehr zu den tariflichen Standards einzusetzen. Davon profitiere am Ende die Branche selbst: Denn bleibe es bei der aktuellen Praxis, dann dürften sich nach Einschätzung der IG BAU viele Beschäftigte nun für einen Arbeitgeber entscheiden, der sich an die bisherigen, attraktiveren Bedingungen halte. Das wiederum werde auch den Wettbewerb zwischen „sauber arbeitenden“ Firmen und „Schmutzkonkurrenten“ verschärfen.

„Aber auch die öffentliche Hand ist gefordert: Städte und Kommunen können die Regeln festlegen, nach denen Schulen, Rathäuser und Ämter gereinigt werden. Klar ist: Zu sauberen Gebäuden gehören auch saubere Arbeitsbedingungen“, so Wunderlich. Sollte die schon seit April vergangenen Jahres andauernde Tarifrunde am 15. August erneut keinen Durchbruch bringen, müssen Firmen und Kunden mit Arbeitsniederlegungen auch in Speyer rechnen.