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Thema Drogen: Interview mit Bürgermeisterin Monika Kabs - `Drogen an allen weiterführenden Schulen ein Problem'
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SPEYER | Speyer heute
Samstag, den 20. August 2011 um 08:55 Uhr

Als ehemaliger Leiterin und Lehrerin einer Hauptschule mit integrativem Schwerpunkt (Siedlungshauptschuleschule – heute RS plus Siedlungsschule Speyer)  ist  Bürgermeisterin Monika Kabs , deren Dezernat IV,  die Ressorts Jugend und Soziales beeinhaltet, mit den Probleme von Jugendlichen bestens vertraut. In einem Gespräch mit speyer-aktuell ging es um nicht unerheblichen Drogenkonsum von Speyerer Jugendlichen in Schule,  Ausbildung sowie vor allem während der Freizeit - besonders an den Wochenenden.

 

spa: Wir hatten jüngst ein Gespräch mit jungen Leuten , die aussagten, dass mittlerweile in Speyer 50 Prozent der Jugendlichen mit dem Konsum von Drogen vertraut sind. Der Bedarf werde an Schulen gedeckt, dort werde eifrig gedealt, teils auch, um den Eigenbedarf finanzieren zu können. Die Problematik ist also ein brandaktuelles Thema an unseren Schulen. Welche Wahrnehmungen haben Sie selbst als Schulleiterin in Speyer-Nord machen können?
Kabs: Ich denke, keine weiterführende Schule könnte unterschreiben, dass an ihrer Einrichtung keine Drogen um Umlauf sind. Ohne einen Namen zu nennen, ist die Drogenproblematik ein Thema an allen Schulen - abgesehen von den Grundschulen. Da können wir nur hoffen, dass es dort noch nicht der Fall ist.

spa: Alkohol ist wohl die Einstiegsdroge Nummer eins, das können die meisten Jugendlichen bestätigen, obwohl in der Bevölkerung kein Problembewusstsein bezüglich von Alkohol vorhanden ist. Wir beschränken uns deshalb in diesem Gespräch auf die illegalen Drogen.
Kabs: Kurz zum Alkohol: Der Alkoholkonsum unter den jungen Leuten ist steigend, wie auch Gespräche mit der Polizei bestätigen. Trotz Aufklärungskampagnen, beziehungsweise Verteuerung von Alcopops und dergleichen. Es gibt mit der Jugendförderung Schutzkontrollen, auch mit dem Ordnungsamt - aber das Problem wird dadurch nicht gelöst. Es ist dies nur ein Versuch zu reagieren. Viele trinken ihr Bier an den Plätzen und sind friedlich - das halte ich nicht für so dramatisch. Schlimmer ist das regelrechte Zuschütten. 

spa : Die Jugendlichen, die wir interviewt haben, klagen über fehlende Freizeitmöglichkeiten, konnten aber bei unserer Nachfrage nicht konkretisieren, was sie in dieser Hinsicht an Angeboten erwarten. Es stellt sich die Frage, wie man diese Jugendlichen dazu bringen kann, gerade an den Wochenenden sich mit etwas Sinnvollem zu befassen, statt Drogen zu nehmen. Muß es für Jugendliche ab einem Alter von 14 Jahren aufwärts nicht mehr Freizeitmöglichkeiten geben?
Kabs: Ich kann die Zahl 50 Prozent, die sie angesprochen haben, nicht bestätigen. Man muss sicher differenzieren zwischen den regelmäßigen Konsumenten und denjenigen, die nur ab und zu etwas nehmen.

spa: Unsere jungen Gesprächspartner gingen eindeutig von dieser Zahl aus, die auch Nidro bestätigt. Die betroffenen Jugendlichen haben berichtet,  dass mit  den  Drogen eine regelmäßige Beschaffungskriminalität einhergeht.  Überfälle und Einbruchsdiebstahl seien an der Tagesordnung. Man gerät schnell in Abhängigkeit von organisierten Kreisen , die anfangs großzügig Drogen zur Verfügung zu stellen, später aber mit massivem Druck die Jugendlichen dazu bringen, die dann teuer gewordenen Produkte zu finanzieren - sei es mit Prostitution oder den bereits angesprochenen kriminellen Praktiken. Man gewinnt den Eindruck, dass die Polizei sich sehr bedeckt in Punkto Drogenkriminalität.
Kabs: Bei der Halle 101 haben wir die Problematik mit Alkoholprozessen mittlerweile ganz gut im Griff. In Zusammenarbeit mit Jugendamt, Stadt, Polizei, und Ordnungsamt konnten wir die Zahl der Schlägerein und den Konsum von Alkohol deutlich reduzieren. Deshalb halte ich es für ungemein wichtig, dass wir die Halle 101 haben. Ich halte sie für eine der wichtigsten Einrichtungen in Speyer. Es gibt dort zum einen die Möglichkeit aktiv einzugreifen. Darüberhinaus direkte Kontakte sowie beratende Gespräche vor den Veranstaltungen, falls dort  beispielsweise jemand mit einem Sixpack erscheint. In dieser Hinsicht ist gerade in letzter Zeit einiges ereicht worden. Für diese Arbeit habe ich mich mit allem Nachdruck persönlich eingesetzt.

spa: Im Privatbereich bekommt man wenig mit, was den Konsum angeht. An den Schulen gilt es in  der Regel als cool mitzumachen. Was könnte man tun, damit es uncool wird, Drogen zu nehmen? Könnte Ihrer Meinung nach mit gezielten Unterrichtsprogrammen dieses Bewußtsein zu vermitteln?
Kabs: Wir hatten bei meiner früheren Tätigkeit Nidro im Haus. Doch mit einmaliger Aufklärung ist es nicht getan. Das muss über das Schuljahr fortgesetzt werden. Man kann dem Lehrkörper aber nicht vorschreiben, die Drogenproblematik in ihre Unterrichtseinheiten einzubauen. Dies ist eine freiwillige Leistung, zu der aber viele Möglichkeiten bestehen, egal in welchen Fächern. Es handelt sich aber vor allem auch um ein gesellschaftliches Problem, denn wenn, was durchaus vorkommt, ein Elternteil zuhause kifft und der andere trinkt. Wie soll ein Schüler dann verinnerlichen, dass es uncool ist, Drogen zu sich zu nehmen?

spa: Die Lehrer bekommen bestimmt auf dem Schulhof teilweise auch den Konsum von Drogen mit. Lehrerschaft und Schulleitung mögen zwar dem gegenüber nicht ihre Augen verschließen, aber sie haben doch die Befürchtung, dass beim Bekanntwerden, der Name ihrer Schule Schaden erleidet und die Anmeldezahlen zurückgehen. Welche Initiative kann die Stadt diesbezüglich ergreifen?
Kabs: Die Stadt kann nur bedingte Unterstützung leisten. Wir unterstützen Nidro, können ber nicht aktiv eingreifen. Dies ist Sache der Schulleitung. Als Bürgermeisterin kann man Gespräche führen und Hinweise geben, aber den Schulleitern keine Anordnungen erteilen. Schulinternes Aufarbeiten der Thematik ist
gefragt, und ich bin sicher, dass die Schulleitungen Bescheid wissen und in ihrem Rahmen zu verarbeiten bemüht sind. Die Schule, die einen gewissen schlechten Ruf genießt , wird ohne Zweifel damit rechnen müssen, dass Eltern reagieren und ihre Kinder dort nicht anmelden.

spa: Ich möchte Ihnen als Bürgermeisterin auch eine politische Fragen stellen. Es geht um organisiertes Verbrechen. könnten Sie sich vorstellen, dem organisierten Verbrechen den Boden zu entziehen,  indem man die Drogen legalisiert - diese zwar nicht ganz billig aber kontrolliert abgibt?
Kabs: Ich bin der Meinung, das eine Freigabe dies Probleme nicht lösen kann.  Auch in den Niederlanden gibt es trotz Freizügigkeit keine komplette Lösung. Ich habe mir diese Frage auch schon gestellt, aber keine Antwort gefunden. Im Sozialausschuss werde ich auf jeden Fall  diese Dinge ansprechen.

Frau Kabs, wir danken Ihnen für das Gespräch. (ks/da/Foto: ks)

 

 

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