Im Nachhinein ist man immer schlauer. Dieses Sprichwort trifft wohl auch auf die Situation im Stadtteil Speyer-Süd zu. Wir geben somit der Kritik von Dr. Cornelia Vagt-Beck und den Unterzeichnenden des Briefs, der an alle Stadtratsfraktionen geschickt wurde, recht. Ja, die Stadt hätte vor der Bebauung an die verkehrspolitischen Herausforderungen, die damit aufkommen, denken müssen.

In Zeiten, in denen fast jedes erwachsene Individuum sein eigenes Auto bewegt und vor der Tür stehen hat, wird der Platz auf den Straßen immer enger. Das ist keine neue Erkenntnis, und gerade Speyer hat sich in den letzten Jahren doch immer deutlicher hin zu einer Autostadt entwickelt mit nun fast 740 PKW pro 1000 Einwohner. Zum Vergleich: Der Bundesdurchschnitt lag 2016 bei 555 PKW pro 1000 Einwohner. Die Aufgabe der Politik ist es, auch das haben die Bürgerinnen und Bürger richtig erkannt, diese Trends zu erkennen und Lösungen zu präsentieren. Eine Lösung wäre es natürlich, mehr Straßen und Zufahrten zu bauen und auch noch den letzten Fußgängerweg zur PKW-Straße auszubauen. Diese Lösung kann die GRÜNEN-Stadtratsfraktion in Zeiten des Biodiversitätsverlusts, der Klimakrise, der stark ausgereizten Grenzwerte und der damit einhergehenden Gesundheitsbelastung der Menschen nicht befürworten. Stattdessen plädieren wir für den starken Ausbau der Radinfrastruktur, um es den Menschen aus Speyer-Süd zu ermöglichen, mit dem E-Bike oder dem normalen Rad sicher und angenehm in die Innenstadt zu radeln. Wir setzen uns für den Ausbau des ÖPNV-Verkehrs und des Car-Sharings ein, um die Abhängigkeit vom eigenen Auto zu reduzieren. Wir brauchen nicht mehr Platz für Autos, sondern mehr Platz für Zu-Fuß-Gehende und das Fahrrad! Dieser Realität muss sich die Politik stellen und angemessen handeln. In der Schweiz ist die politische Führung schon weiter und hat z.B. eine große Baufläche an die Genossenschaft Kalkbreite vergeben, die ihre Bewohner dazu verpflichtet, auf ein eigenes Auto zu verzichten. Dafür ist der Wohnkomplex direkt an den ÖPNV angebunden, oder die Menschen teilen sich die Autos über das städtische Car-Sharing-Angebot. Solche Ideen müssen greifen, bevor gebaut wird. Im Fall Speyer-Süd kommt der letzte Vorschlag wohl zu spät, als ausbessernde Maßnahme schlagen wir deshalb ergänzend die Aufstellung einer Mitfahrerbank ein, um zumindest den Autoverkehr in die Innenstadt zu reduzieren. Um weitere Lösungen zu erarbeiten, werden die Grünen ein Stadtteiltreffen in Süd vereinbaren, um standortspezifische Lösungen, die eine nachhaltigere Mobilität ermöglichen, zu diskutieren. Bündnis90/Die Grünen